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  Gespräch mit Markus Hoffmann von "Wüstenstrom"  

[Letzte Aktualisierung: 29.10.2007 ]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Gespräch der HuK-Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" mit Markus Hoffmann ("wuestenstrom e.V.")

Der folgende Text ist der unveränderte Bericht, der den Eindruck der AG "Evangelikale und Wir" vom Oktober 2006 wiedergibt. Dass sie im Oktober 2006 diesen Eindruck hatte, gilt nach wie vor. Unabhängig davon gab es aber eine Auseinandersetzung zwischen Wüstenstrom und der Zeitung "Die Zeit", die in einem zwei Monate später erschienen Artikel kritisch über Wüstenstrom berichtet hatte; Wüstenstrom veröffentlichte dazu eine offizielle Gegendarstellung und andere Texte. Unter diesen Texten war auch der HuK-Gesprächsbericht, wobei Wüstenstrom den Text kopierte und nicht den HuK-Originaltext verlinkte. Wüstenstrom hat auf seiner Webseite den Bericht zunächst als "Stellungnahme" bezeichnet. Weil dadurch der Eindruck entstehen konnte, der Bericht sei eine HuK-Stellungnahme im Streit zwischen ZEIT (Frau Kontny) und Wüstenstrom, haben wir dagegen protestiert; dem wurde von Wüstenstrom Rechnung getragen. Eine mißverständliche Ersetzung eines HuK-Textabschnitts durch einen Wüstenstrom-eigenen Text wurde ebenfalls auf unseren Protest hin korrigiert. (Siehe unten, "Anmerkungen des Webmasters"). Das Ganze führte zu Diskussionen innerhalb und außerhalb der HuK, die es uns geboten erscheinen lassen, jetzt eine neue, zusammenfassende Webseite HuK und Wüstenstrom: Ein kritischer Rückblick zu publizieren.


Am 7. Oktober 2006 fand im evangelischen Gemeindehaus Wäschenbeuren bei Göppingen ein Gespräch zwischen der Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" (anwesend waren Walter Conzelmann, Franz Kaern, Helmut Mayer, Gerhard Mundt und Andreas Schneidewind) und dem Mitbegründer und Leiter des Vereins wuestenstrom e.V., Markus Hoffmann, statt. Mit Markus Hoffmann war Stefan Schmidt angereist, ein weiterer Mitarbeiter von "wuestenstrom".

Der Verein "wuestenstrom e.V." sieht seinen Auftrag in der „Entwicklung von Hilfskonzepten und dem Angebot von Hilfe für Menschen mit Fragen und Problemen im Bereich Identität und Sexualität“. Schon in der Vorbereitung des Treffens (mit Hilfe der - in den letzten Monaten weitgehend neu gestalteten - Webseite www.wuestenstrom.de sowie anderen Veröffentlichungen des Vereins) war uns aufgefallen, dass der noch vor einigen Jahren auch von Seiten der HuK scharf kritisierte Verein offensichtlich deutliche Veränderungen in seiner Zielsetzung vorgenommen hat und v.a. das Thema Homosexualität keine so bedeutende Rolle mehr zu spielen scheint.

Diese Vermutung wurde im Verlauf des Gespräches auf äußerst positive Weise bestätigt. Markus Hoffmann beschrieb uns zunächst, dass „wuestenstrom“ in der Anfangszeit nicht nur auf der Beratungsebene, sondern auch politisch aktiv war, wobei gerade die Äußerungen über Homosexualität den Verein in eine schwierige Situation gebracht hatten: für die Schwulen- und Lesbenverbände waren die Äußerungen inakzeptabel, für evangelikale Gruppen gingen sie z. T. wohl nicht weit genug. Da es auch aus den eigenen Reihen und von Klienten Proteste gegen solche Äußerungen gab, haben sich Markus Hoffmann und der Verein in den vergangenen Jahren daher hauptsächlich auf die Beratungsarbeit zurückgezogen. Auch die anfängliche Nähe zur amerikanischen "Living Waters"-Bewegung wird von "wuestenstrom" gerade in der letzten Zeit immer kritischer gesehen, vieles scheint sogar auf eine baldige Trennung hinzudeuten.

In der Folge beschrieb uns Markus Hoffmann einige wichtige Grundsätze des Beratungsansatzes von "wuestenstrom". Diese lassen sich auch in der Ethik und der Selbstverpflichtung des Vereins nachlesen (beides auf der o.g. Homepage):

Ein sehr wichtiger Punkt des Gespräches war die Klärung des in den Programmen von „wuestenstrom“ immer wieder auftauchenden Begriffes „Veränderung“. Markus Hoffmann stellte klar, dass mit diesem Begriff keineswegs die Umpolung homosexueller Menschen gemeint ist (so hatte u.a. auch ich dies zunächst vermutet). Veränderung kann seiner Meinung nach sehr vieles bedeuten, immer handelt es sich aber um einen Prozess, der auf der Gefühlsebene stattfindet. Veränderung kann sich daher nur ergeben (z.B. durch Enttraumatisierung), dies muss aber nicht passieren. Somit schließt sich auch eine „Veränderung“ der sexuellen Veranlagung von vorneherein aus. Markus Hoffmann rechnet in Beratungsgesprächen zwar mit der Möglichkeit von Veränderung, das Ergebnis ist aber, wie oben bereits erwähnt, offen. Besonders beeindruckt haben uns in diesem Zusammenhang Beispiele, in denen Markus Hoffmann offensichtlich homosexuell empfindenden Menschen ausdrücklich riet, diese Homosexualität anzunehmen und verantwortungsvoll zu leben. Vielleicht wäre „wuestenstrom“ besser beraten, den leicht missverständlichen Begriff „Veränderung“ z.B. durch „Auseinandersetzung mit…“ zu ersetzen.

Im Nachklang des Gespräches haben wir uns innerhalb der Gruppe noch darüber unterhalten, inwieweit die Aussagen von Markus eventuell beschönigend sein könnten, v.a. auf dem Hintergrund seiner früheren Äußerungen. Einige Gründe sprechen aber aus unserer Sicht gegen diese Annahme:

Der positive Eindruck des Gespräches wurde durch eine für unsere Gruppe ganz entscheidende Kernaussage von Markus Hoffmann bestärkt: er betonte in aller Deutlichkeit, dass weder er noch sonst jemand von "wuestenstrom" das Recht habe, einem anderen Menschen seinen Glauben abzusprechen. Dies schließt sich für ihn völlig aus. Auf der Homepage des Vereins ist in der Ethik unter „Gestaltung des Glaubens“ folgendes zu lesen: "In die Angebote kann der persönliche Glaube an Jesus Christus mit einbezogen werden. Dabei ist uns wichtig, dass jeder Teilnehmer seine Art findet, seine persönliche Gottesbeziehung zu gestalten. Wir begleiten diesen Prozess gern, tun dies aber immer auf der Grundlage einer dialogischen Glaubenspraxis. Diese folgt für uns aus dem von allen christlichen Kirchen gesprochenen Bekenntnis zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist."

Auf der Basis der von uns bei "wuestenstrom" wahrgenommenen Veränderungen der letzten Jahre kam am Ende des Gesprächs von unserer Seite noch der Vorschlag, ein gemeinsames Gespräch zwischen HuK, Markus Hoffmann sowie Vertretern aus dem evangelikalen Bereich anzustreben. Markus Hoffmann stimmte diesem Vorschlag grundsätzlich zu.

So bleibt bei allen Mitgliedern der Gruppe eine sehr gute Erinnerung an diesen Nachmittag, da er einem dem Hauptziel des Arbeitskreises "Evangelikale und Wir" voll entsprach: miteinander statt übereinander zu reden und zu helfen, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen.

Andreas Schneidewind


Text vom 22.11.2006:

Markus Hoffmann wurde gebeten, sich, wenn er möchte, zu unserem Bericht zu äußern. Sobald eine Rückmeldung erfolgt ist, werden wir sie hier anfügen.


Ergänzung zum obigen Bericht (27.1.200), aus der Sicht von "wuestenstrom e.V.":

Veränderung kann seiner Meinung nach sehr vieles bedeuten, immer handelt es sich aber um einen Prozess, der auf der Gefühlsebene stattfindet. Ein Veränderung im Bereich der Sexualität, wie auch sexuellen Orientierung, kann sich allerdings nur ergeben, wenn durch die Sexualität ein innerer, gefühlsmäßiger, Konflikt kompensiert wird. Allerdings ist bei einer offen gestalteten Behandlung solcher gefühlsmäßiger Konflikte nicht von vornherein klar, dass sich dann am Ende auch das Erleben im Bereich sexuellen Empfindens verändert. Das Ergebnis ist, wie bereits erwähnt, immer offen.

Besonders beeindruckt haben uns in diesem Zusammenhang Beispiele, in denen Markus Hoffmann offensichtlich homosexuell empfindende Menschen riet, ihre Homosexualität anzunehmen. Denn nur wer die Empfindungen in sich annimmt, kann auch prüfen, ob sich darin eine Frage verbirgt, die er in einen Beratungsprozess einbringen kann.

HuK-Ergänzung zur wuestenstrom-Ergänzung [Tut mir leid, es ist so kompliziert. RW]: Das "uns" im obigen Text kann verwirrend wirkan, da hier wuestenstrom etwas formuliert, was von der Wortwahl her ("uns" = HuK-Teilnehmer) als von den HuK-Teilnehmern gesagt erscheint. Die Teilnehmer aus der Huk zogen es vor, ihren Text unverändert zu lassen und wuestenstrom eine Ergänzung anzubieten, die klar die Meinung von wuestenstrom ausdrückt; der Text war nicht als gemeinsamen Protokoll o.ä. gedacht.
Da wuestenstrom aber auf seinen Webseiten die obige Formulierung so gewählt hat, wiederholen wir sie hier.

Daneben sprach Markus Hoffmann auch davon, dass wuestenstrom Menschen begleitet, die ihre Homosexualität als Lebensstil leben, die Beratung von wuestenstrom aber wegen anderer Konflikte aufsuchen. Markus Hoffmann machte deutlich, dass wuestenstrom den Lebensentwurf von Menschen respektiert.

wuestenstrom e.V. scheint die obigen drei (kursiv wiedergegebenen) Absätze als Alternative für den Absatz "Ein sehr wichtiger Punkt des Gesprächs ..." anzusehen ("Alternativtext ..., der unsere Ansicht korrekt und deutlicher zum Ausdruck bringt").
Wie oben gesagt: Die Teilnehmer aus der Huk zogen es vor, ihren Text unverändert zu lassen und wuestenstrom eine Ergänzung anzubieten, die klar die Meinung von wuestenstrom ausdrückt; der Text war nicht als gemeinsamen Protokoll o.ä. gedacht.


Nachtrag zum Zustandekommen des Textes und der Ergänzung, 27.1.2007

Der obige Bericht (Hauptteil, einschließlich Angebot, sich mit einer Ergänzung zu äußern) stand seit 21.11.2006 unverändert auf unserer Webseite. Eine Rückmeldung, so wie sie angeboten/erbeten war, war bis zum 23.1.2007 nicht erfolgt.

Inzwischen (27.1.2007) haben wir bemerkt, dass, vermutlich am 26.1.2007, wuestenstrom e.V. auf einer eigenen Webseite, auf der der HuK-Bericht zitiert wird, am Schluss die oben wiedergegebenen drei Absätze angefügt sind. Sie wurden deshalb als Ergänzung aus der Sicht von wuestenstrom e.V. aufgefasst und in unsere Webseite übernommen.

Reinhold Weicker, HuK "Webmaster"