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Die HuK zur Auseinandersetzung um ein anti-homosexuelles Seminar beim "Christival" 2008 |
[Letzte Aktualisierung: 21.01.2008 ] |
In den ersten Januar-Wochen 2008 schlug ein für das evangelistische Großveranstaltung "Christival" geplantes Seminar "Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung" hohe Wellen:
Die folgende Stellungnahme beruht im Text auf der zunächst intuitiven Reaktion eines HuK-Mitglieds; der Vorstand der HuK hat am 20.1.2008 inhaltlich die Stellungnahme für den Verband übernommen.
Viele von uns sind in christlichen Jugendverbänden aufgewachsen und haben Werte vermittelt bekommen, die uns nach wie vor wichtig sind. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, Vorurteile homosexuellen Menschen gegenüber aufzuzeigen und abzubauen. Wenn Unvoreingenommenheit und Offenheit in den letzten Jahrzehnten auch zugenommen haben, so gibt es doch immer noch Gruppierungen, die homosexuellen Menschen nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit begegnen können und wollen, wie heterosexuellen. Das auf dem Christival von OJC und DIJG angebotene Seminar "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung", das Jugendlichen Hilfestellung zum "Ausstieg aus der Homosexualität" geben will, wurde von der Offensive junger Christen (OJC) und dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) verantwortet. Aufgrund des Protestes zahlreicher homosexueller Menschen wurde diese Veranstaltung wieder aus dem Programm herausgenommen. Die Hintergründe: OJC und DIJG, vertreten durch Frau Dr. Vonholdt, betrachten homosexuelle Menschen grundsätzlich(!) als gestört und benachteiligt; als Christen würden sie unter ihrer Homosexualität "leiden" und brauchten deshalb Hilfestellung, diese zu überwinden. (Wer als Schwuler oder als Lesbe nicht leidet, ist kein richtiger Christ! So einfach macht man sich das!) Gespräche darüber, dass solche Verallgemeinerungen unzulässig sind und dass Christen in der Regel keineswegs leiden, wenn man ihre gleichgeschlechtliche Prägung akzeptiert (die HuK hatte zu diesem Thema ein Gespräch mit dem DIJG vorgeschlagen), werden von Frau Dr. Vonholdt als überflüssig betrachtet und darum abgelehnt.
Eine Veranstaltung wie das Christival soll vom Geist des Respekts und der Toleranz gegenüber menschlicher Vielfalt geprägt sein, weil es Jugendliche über die Grenzen der Konfessionen hinweg zusammenführen und damit viele gute Anstöße für die Jugendarbeit, für Glauben, Werte und Engagement geben will. Auch Schwule und Lesben sollen sich hier in ganz selbstverständlicher Weise mit einbezogen wissen dürfen.
Die HuK will den Teilnehmern des "Christival" keineswegs vorschreiben, wie sie ihrem Glauben Ausdruck geben - dafür gibt es viele Formen, auch innerhalb der verschiedenen christlichen Schwulen- und Lesbengruppen. Die HuK hält aber an den Sätzen in ihrer Grundsatzerklärung fest "Gottes Handeln in der Welt, von dem die Bibel Zeugnis gibt, erfahren wir als befreiende Botschaft. Befreite Menschen lädt Gott in eine Gemeinschaft ein, in der Gerechtigkeit herrschen soll und die Menschenwürde beachtet wird. Dieses gibt vielen Lebensformen Raum zur Entfaltung gelingenden Lebens." Wenn dies im kirchlichen Raum nicht mehr möglich sein sollte, dann erheben wir in der Tat Protest - im Namen eben des Evangeliums, auf das sich Christen überall berufen. Eine Einengung des Christentums auf eine konservative, anti-homosexuelle Lebenshaltung wäre nicht im Sinne von Kirche Jesu Christi.
Natürlich respektiert die HuK das Recht von Menschen, ihr Leben selbst zu gestalten. Uns fällt aber auf, dass beim "Christival" das DIJG-Seminar "Homosexualität - Chance zur Veränderung" die einzige zum Thema Homosexualität geplante Veranstaltung sein sollte. Der Vorwurf der Einseitigkeit, den Verfechter der "Veränderbarkeit" gerne Homosexuellengruppen gegenüber vertreten, fällt auf sie selbst zurück: In konservativ-kirchlichen Kreisen oder in der Kirche überhaupt soll ihre Auffassung am liebsten als einzige zu Wort kommen. Wenn dagegen protestiert wird, präsentiert man sich als verfolgte Vertreter einer angeblichen Meinungsvielfalt.
Man sagt jetzt sinngemäß "Wir wollen doch nur für die eintreten, die wirklich von sich heraus eine Veränderung ihrer Homosexualität wollen". Dass dies nur eine Schutzbehauptung gegenüber "liberalen" Medien ist, zeigt der Grundsatzartikel "Homosexualität verstehen" der Leiterin des DIJG ("Deutsches Institut fuer Jugend und Gesellschaft"), Dr. Christl Vonholt: Darin heisst es: "Wenn diese Einzigartigkeit der Zusammengehörigkeit und Aufeinanderverwiesenheit von männlich und weiblich in unserer Welt nicht mehr sichtbar wird, z.B. indem wir homosexuelle Lebensweisen der Ehe gleich oder ähnlich stellen, verletzen wir das geschöpfliche Bild des Menschen und verdunkeln das Bild Gottes auf der Erde": Keineswegs ein Eintreten fuer eine veränderungswillige Minderheit, sondern eine diskriminierende Pauschalbehauptung über Schwule und Lesben, zumindest über christliche Schwule und Lesben.
Gerne wird von den Veränderungs-Befürwortern (z.B. auf der Webseite des DIJG) die Studie von Prof. R. Spitzer zitiert, der angeblich wissenschaftlich bewiesen haben soll, dass Veränderung der sexuellen Orientierung möglich sei. Dabei wird übergangen, dass 78 % der dort Befragten schon vorher sich im Sinne von Ex-Gay-Bewegungen geäußert haben. Verschwiegen wird auch, dass Prof. Spitzer es einen "Mißbrauch der Forschungsergebnisse" nannte, wenn man daraus schließen wolle, "dass sie beweist: Veränderung einer homosexuellen Orientierung ist für die meisten hochmotivierten Personen möglich" (Hervorhebung von Spitzer).
Zur "Spitzer-Studie": Kurzargumentation (HuK) in http://www.huk.org/aktuell/spitzer-veraenderbar-wirklich.htm; ausführliche Darstellung (Zwischenraum) in http://www.zwischenraum.net/wirklich_spitzer.htm. Ausführliche englischsprachige Darstellung, mit Quellen-Hinweisen, in http://www.religioustolerance.org/hom_spit.htm
Man darf doch wohl auch fragen, welche konservativ-kirchlichen Gruppierungen dazu beitragen, dass Homosexuelle, die in solchen Kreisen aufwachsen, verunsichert werden und nach Veränderung fragen. Erzeugt man nicht selbst die Verunsicherung von Menschen, auf deren "Recht auf Veränderung" man sich anschließend beruft?
Die Christival-Leitung hat zusammen mit dem DIJG das umstrittene Seminars "Homosexualität - Wege zur Veränderung" abgesagt. Die in der Pressemitteilung zur Absage gegebene Begründung lässt aber befürchten, dass dies nur ein taktischer Schachzug war. Man will sich als Verteidiger einer Meinungsvielfalt geben, die auf der Leitungsebene des "Christival" leider eben nicht zu bestehen scheint:
Sicher ist es nicht so, dass jeder, der eine evangelikal geprägte Form des christlichen Glaubens vertritt, auch das Lebensrecht von Schwulen und Lesben in Kirche und Gesellschaft bestreitet; eine aufmerksame Beobachtung zeigt aber, dass eine fundamentalistisch-konservative Sicht des Christentums oft damit einhergeht. Es gibt zu denken, dass eine Umfrage in den USA ergeben hat: Im Bewusstsein junger Leute, kirchlicher wie nicht kirchlicher, wird das Christentum dort vor allem als anti-homosexuell empfunden (Studie der christlich-evangelikalen Kreisen nahestehenden Barna Group, 2007, Quelle: http://www.barna.org/FlexPage.aspx?Page=BarnaUpdate&BarnaUpdateID=280). Haben die Verantwortlichen des "Christival" ein solches Bild des Christentums als Ziel?