HuK Startseite

  Was hat die APA 2009 wirklich gesagt?  

[Letzte Aktualisierung: 01.12.2009 ]

HuK-Startseite

Aktuelle Themen

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V., Dokumentation

Positionserklärung (Press Release) der American Psychological Association (APA) zu Konversionstherapien, 5. August 2009

Ungenügende Evidenz dafür, dass Anstrengungen zur Änderung der sexuellen Orientierung erfolgreich sind, sagt die APA

Therapeutisch Tätige sollen vermeiden, ihren Klienten zu sagen, dass sie sich von homosexuell nach heterosexuell ("gay to straight") ändern können

TORONTO - Der US-amerikanische Fachverband der Psychologen nahm am Mittwoch [5.8.2009] eine Entschließung an, die feststellt, dass Fachleute im Gebiet der seelischen Gesundheit es vermeiden sollen, ihren Klienten zu erklären, dass sie ihre sexuelle Orientierung durch Therapie oder andere Behandlung ändern können.

Die "Resolution zu geeigneten affirmativen Antworten auf Spannungen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und zu Veränderungsanstrengungen" empfiehlt auch, dass Eltern, Erziehungsberechtigte, junge Menschen und ihre Familien Behandlungen vermeiden, die Homosexualität als geistige Krankheit oder als Entwicklungsstörung darstellen. Statt dessen sollen sie sich nach Psychotherapie, sozialen Unterstützung und Erziehungs-Diensten umsehen, die "genaue Information zu sexueller Ortientierung und Sexualität bieten, Unterstützung durch Familie und Schule vergrößern und Ablehnung von Jugendlichn, die einer sexuellen Minderheit angehören, redizieren."

Die zustimmende Resolution durch die repräsentativen Rat der APA ("APA's governing Council of Representatives") kam während der Jahresversammlung der APA, bei der eine Arbeitsgruppe einen Bericht vorstellte, der in Teilen die Effizienz sogenannter "reparativer Therapie", oder von Änderungs-Anstrengungen zur sexuellen Orientierung (SOCE = sexual orientation change efforts) untersucht hatte.

"Im Gegensatz zu Behauptungen von Unterstützern und Anwendern von sexueller Änderungsanstrengungen gibt es nur ungenügende Evidenz, die für die Anwendung psychologischer Intervention spricht, um die sexuelle Orientierung zu ändern", sagte Dr. Judith M. Glassgold, Vorsitzende der Arbeitsgruppe. "Wissenschaftlich verlässliche ältere Studien in diesem Gebiet zeigen, dass es unwahrscheinlich war, dass sich sexuelle Orientierung durch solche Anstrengungen änderte. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Vertretern und Unterstützern einer Änderungs-Anstrengungen zur sexuellen Orientierung ("SOCE practitioners and advocates") zeigen neuere Forschungs-Studien keine Evidenz einer Änderung der sexuellen Orientierung, da die Forschungsmethoden ungenügend sind, um die Effektivität solcher Interventionen zu zeigen." Glassgold fügte hinzu: "Im besten Fall zeigten gewisse Studien, dass einige individuelle Personen lernten, ihre homosexuellen Gefühle zu ignorieren oder sie nicht in die Tat umzusetzen. Trotzdem zeigten diese Studien nicht, für wen dies möglich war, wie lange die Änderung vorhielt und was ihre langfristige Auswirkung auf die geistige Gesundheit war. Außerdem galt ein solches Resultat in wesentlich geringerem Umfang für Personen, die zu Beginn nur zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen waren."

Auf dieser Auswertung basierend empfahl die Arbeitsgruppe, dass Fachleute im Gebiet der geistigen Gesundheit es vermeiden sollten, die Effizienz von Änderungsanstrengungen im Bereich der sexuellen Oientierung falsch darzustellen, wenn sie Hilfestellung leisten für Personen, die wegen ihrer eigenen sexuellen Orientierung, oder wegen der anderer Personen besorgt sind.

Die APA hatte die aus sechs Personen bestehende Arbeitsgruppe zu angemessenen therapeutischen Antworten auf [Fragen der] sexuellen Orientierung 2007 eingesetzt, mit der Aufgabe, die Resolution der APA von 1997 "Geeignete therapeutische Ansätze zur sexuellen Orientierung" kritisch durchzusehen und zu aktualisieren, und einen Bericht zu verfassen. APA war besorgt über fortdauernde Anstrengungen, die die These progagierten, die sexuelle Orientierung könne geändert werden, durch Pschotherapie oder durch Ansätze, die Homosexualität fälschlicherweise als geistige Störung charakterisieren.

Die Arbeitgruppe untersuchte Artikel in seriösen wissenschaftlichen Zeitschriften (in englischer Sprache) zwischen 1960 und 2007, insgesamt 83 Studien. Die meisten Studien geschahen vor 1978; nur einige wenige waren in den letzten 10 Jahren durchgeführt worden. Die Gruppe studierte auch die gegenwärtige Literatur zur Psychologie der sexuellen Orientierung.

"Leider enthalten viele der Forschungen im Gebiet der sexuellen Orientierung ernsthafte Mängel im Ansatz," sagte Glassgold. "Nur wenige Studien konnten als methodisch seriös betrachtet werden; keine untersuchte systematisch mögliche Schäden."

Zum Punkt möglicher Schäden war die Arbeitsgruppe nicht in der Lage, Folgerungen zu ziehen zu der Effizien und der Sicherheit neuerer Studien von Vertretern von Änderungs-Anstrengungen zur sexuellen Orientierung (SOCE-Vertretern): "Es gibt keine methodisch seriösen Studien neuerer SOCE-Vertreter, die eine definitive Aussage gestatten zu der Frage, ob SOCE sicher oder schädlich - oder nicht - ist, und für wen." sagt der Bericht.

"Ohne solche Information können Psychologen die Folgen solcher Behandlungen nicht vorhersagen; sie müssen sehr vorsichtig sein, wenn man bedenkt, dass einige qualitalive Forschungsergebnisse auf die Möglichkeit von Schädigungen hinweisen," sagte Glassgold. "Therapeutisch Tätige können ihren Klienten helfen durch Therapien, die nicht versuchen, die sexuelle Orientierung zu ändern, sondern Akzeptanz, Unterstützung, und Erforschen und Entwickeln der Identität beinhalten, ohne dem Klienten / der Klientin eine spezifische letztendliche Identität aufzuerlegen."

Als Teil ihres Berichts fand die Arbeitsgruppe heraus, dasss einige Klienten/Klientinnen, die versuchen, ihre sexuelle Orientierung zu ändern, wegen eines Konflikts zwischen ihrer sexuellen Orientierung und ihrem religiösen Glauben in Spannungen leben könnten. Die Arbeitsgruppe empfahl, dass professionelle Therapeuten, die solche KlientInnen behandeln, ihnen helfen, "mögliche Pfade des Lebens zu erkunden, die sich mit der Realität sexueller Orientierung beschäftigen, die das mit Homosexualität verbundene Stigma reduzieren, die den religiösen Glauben der KlientInnen respektieren, und die Möglichkeiten einbeziehen, ein religiös und geistlich bedeutsames und lohnendes Leben zu führen."

"In anderen Worten", sagte Glassgold, "empfehlen wir, dass Psychologen völlig ehrlich sind über die [geringe] Wahrscheinlichkeit, dass sich die sexuelle Orientierung ändert, und dass sie ihren KlientInnen helfen, ihre Annahmen und Ziele bezüglich beidem, der Religion und der Sexualität zu erkunden."

Eine [vollständige] Kopie des Berichts der Arbeitsgruppe kann über das Büro der APA (Public Affairs Office) bezogen werden, oder sie kann aus dem Internet (WWW) heruntergeladen werden [siehe unten].

Mitglieder der APA-Arbeitsgruppe zu geeigneten therapeutischen Ansätzen zur sexuellen Orientierung:

Judith M. Glassgold, PsyD, Rutgers University – Vorsitzende
Lee Beckstead, PhD
Jack Drescher, MD
Beverly Greene, PhD, St. John's University
Robin Lin Miller, PhD, Michigan State University
Roger L. Worthington, PhD, University of Missouri

[Allgemeine Charakterisierung der APA:] Die US-amerikanische psychologische Vereinigung (American Psychological Association, APA) ist die größte wissenschaftliche und fachlich-professionelle Organisation, die Psychologie in den USA repräsentiert. Sie ist auch der größte Fachverband von Psychologen weltweit. Die Mitgliedschaft in der APA umfasst 150.000 Forscher, Erzieher, Kliniker, Berater und Studierende. Durch ihre Unterteilung in 54 Untergebiete der Psachologie und durch ihre Venetzung mit 60 Vereinigungen in US-Bundesstaaten und kanadische Provinzen arbeitet die APA daran, Psycholoie als Wissenschaft voranzubringen, als Beruf und als Mittel, Gesundheit, Bildung und menschliche Wohlfahrt weiter zu bringen.

Übersetzung: Reinhold Weicker


Die im Vorangegangenen in deutscher Übersetzung wiedergegebene Pressemitteilung der APA (American Psychological Association, renommierter US-amerikanischer Fachverband für Psychologie) wurde am 5. August 2009 veröffentlicht. Über unsere Seite mit aktuellen Webtips kann auf den vollen Bericht der "Task Force" der APA (PDF-Datei, lang, englischsprachig, 120 Druckseiten) und die kurze Zusammenfassung (kurze HTML-Datei, englisch) zugegriffen werden.

© 2009 Reinhold Weicker