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Weihnachtsansprache 2008 von Benedikt XVI: Eine Glosse |
[Letzte Aktualisierung: 01.12.2009] |
Der Papst in Rom hat gesprochen. Das ist auch nahe liegend, ist er doch, laut klassisch römisch katholischer Lehre, nicht nur der Stellvertreter Christi, sondern sicher auch sein Sprecher.
Was hat er denn gesprochen? Nun, man kann es knapp formulieren: Nichts Neues. Das hat er zwar schon öfter mal gesagt, aber macht nix.
In diesem Fall hat er aber vielleicht doch was Neues gesagt. Hören wir zunächst mal seine Begrüßungswort: "Meine Herren Kardinäle, verehrte Mitbrüder im bischöflichen und im priesterlichen Dienst, liebe Brüder und Schwestern!
Das Fest der Geburt des Herrn steht vor der Tür. Jede Familie empfindet das Verlangen, sich zu versammeln, um die einzigartige und unwiederholbare Atmosphäre zu genießen, die dieses Fest herbeiführen kann. Auch die Familie der Römischen Kurie findet sich heute Morgen zusammen, entsprechend einem schönen Brauch ..."
Da hat er also glatt seinen vatikanischen Hofstaat als "Familie" bezeichnet. Na also, geht doch! Wir Schwule und Lesben wussten doch lange, dass Familie mehr ist als Vatter, Mutter, Kind. Also, seine ganzen Kardinäle, Tippexkragen-Träger, Pinguine und Putzfrauen, das ist also dem Herrn Ratzinger seine Familie, inklusive all der Schwuchteln, von denen es dort bekanntermaßen zahlreiche gibt.
Nun aber mal weiter im Text. Der Bischof von Rom redet dann also vom Schöpfungsglauben, und dass man die Erde nicht ausbeuten dürfe. Toll, dass die Kirche das jetzt so sagt. Wo sie doch schon alles mögliche gesegnet hat (außer lesbischen und schwulen Paaren): Panzer, Autos, wer weiß, vielleicht auch Atomkraftwerke.
"Weil der Glaube an den Schöpfer ein wesentlicher Teil des christlichen Credo ist, kann und darf sich die Kirche nicht damit begnügen, ihren Gläubigen die Botschaft des Heils auszurichten. Sie trägt Verantwortung für die Schöpfung und muß diese Verantwortung auch öffentlich zur Geltung bringen. Und sie muß dabei nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Schöpfungsgaben verteidigen ... . Sie muß auch den Menschen gegen die Zerstörung seiner selbst schützen. Es muß so etwas wie eine Ökologie des Menschen im recht verstandenen Sinn geben. Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert. Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu mißachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde."
Der Papst – also in Wahrheit gar kein Schwarzer, sondern ein Grüner, ein Ober-Ökologe. Der hört auf die Sprache der Schöpfung, das heißt ja auch, wenn ich als lesbisch oder schwul oder bi oder trans geschaffen bin, dann höre ich auf die Sprache der Schöpfung, die ich zu achten habe. Und wenn ich mein So-Sein missachten würde, dann würde ich mich gegen das wenden, was Gott ja geschaffen hat.
Für den nächsten Absatz der Papst-Rede gilt nun, dass wirklich nix Neues gesagt wird. Es wird unterstellt, dass die Menschen sich von Gott und von der Schöpfung entfernen wollten, es wird die lebenslange Ehe zwischen Mann und Frau beschworen sowie am Ende die Enzyklika "Humanae Vitae" von Paul VI. Und damit ist der Focus des ganzen entlarvt: Das mit dem Schutz der Regenwälder ist eigentlich gar nicht so wichtig wie der Schutz der Menschen vor der eigenverantwortlichen Ausübung ihrer Sexualität. Diese Herren Päpste und vor ihnen die so genannten Kirchenlehrer behaupten plump irgendeine Natur, die Gott genau so geschaffen habe und wenn ein Mensch zu einer anderen Ansicht käme, wäre er ein Manipulierer, einer, der sich gegen den Schöpfergeist richtet, der sich selbst zum Gott machen will. Ganz schön simpel, und überhaupt, woher wissen diese schlauen, hoffentlich strikt zölibatär lebenden Theologen das alles?
Traurig ist aber auch, dass manche Pressevertreter und lesbische und schwule Aktivisten sich in so doller Weise von Rom treiben lassen. Denn bei dieser Ansprache im Kreis der Vatikan-Familie ist wirklich nix Neues gesagt worden. Und dass der Herr Benedikt seine Lieben zum Abschluss der Fürsprache der Jungfrau Maria anvertraut ist ebenso wenig erstaunlich wie sein letzter Satz "In diesem Sinne erteile ich Ihnen allen und der großen Familie der Römischen Kurie von Herzen den Apostolischen Segen."
C. B. Däus-Previus
Falls es noch nötig ist, das zu sagen: Der Text ist keine "ernsthafte"
Stellungnahme der
HuK zu Papst Benedikt XVI. oder zur Poltik des Vatikan, aber doch eine
nette Glosse, die zeigt, welche Gedanken eine Weihnachtsansprache
wie die aus dem Jahr 2008 auslösen kann.
Der vollständige, "amtliche" Text der Ansprache ist auf einer
Webseite von Radio Vatikan zu finden.
Eine HuK-Stellungnahme zu wichtigen Äußerungen von Kardinal Ratzinger
(als er noch nicht Papst war) findet sich im
Text des sogenannten "Benedikt-Faltblatts"