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Kirchengemeinde Jade (Oldenburg), Dezember 2003

[Letzte Aktualisierung: 01.12.2009]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. - Dokumentation

Evangelische Kirchengemeinde Jade (Oldenburg), Predigt von Pfarrer Bernd Passarge, Dezember 2003

Nach längerer Diskussion hat im November 2003 die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg beschlossen. "Wo Menschen gleichen Geschlechts um eine Segnung bitten, ist es den Kirchengemeinden freigestellt, dieser Bitte zu entsprechen". Der Beschluss, die Diskussion dazu und die Tatsache, dass die Kirchenleitung (Oberkirchenrat) in einem bis dahin nicht vorgekommenen Schritt den Beschluss offiziell beanstandete und dadurch seine Inkraftsetzung verhinderte, fand ein breites Echo in der Öffentlichkeit; es gab zum Beispiel eine Reihe von Leserbriefen in den Zeitungen.

Vor dem Hintergrund dieser Diskussionen hielt Pfarrer Bernd Passarge am dritten Advent die folgende Predigt, die hier mit seiner Genehmigung wiedergegeben wird.

Warum darf man Schwule segnen? Predigt vom 14.12.2003 (Dritter Sonntag im Advent)

Dass das Thema der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare so hoch gekocht wurde, wie es zur Zeit geschieht, haben wir in erster Linie unserer Kirchenleitung und insbesondere unserem Bischof zu verdanken. Die Nordwest-Zeitung wird es freuen, denn die Redakteure warten nur darauf, solche Schlagzeilen bringen zu dürfen: "Beschluss zur Homo-Ehe" spaltet die Kirchenbasis". Es ist nun mal so. Und wir haben weiß Gott wichtigere Fragen zu erörtern, als uns in dieser Angelegenheit in diesem Umfang zu streiten. Um es vor Weg zu sagen: Dieses Thema ist theologisch gesehen eine Nebensächlichkeit. In der Bibel wird das Thema nicht explizit behandelt. Die Frage der Homosexualität wird in der Bibel im Zusammenhang ganz anderer Fragestellungen erwähnt. Aber für die Menschen, die es betrifft, ist die Frage des Umgangs mit Menschen, die eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingegangen sind, von existentieller Bedeutung. Für sie entscheidet sich an dieser Frage nämlich, ob sie sich wirklich in dieser Kirche zu Hause fühlen dürfen oder ob sie nur stillschweigend geduldet werden, bzw ob sie durch die Kirchensteuer für ihre eigene Diskriminierung noch bezahlen dürfen.. Und an der Art und Weise der Auseinandersetzung zeigt sich dann doch wieder, ob wie als Christen noch ganz bei Trost sind und ob wir unsere Glaubwürdigkeit im Ganzen nicht auf´s Spiel setzen.

Wenn ich einige Leserbriefe in den Zeitungen lese wird mir schlecht. Die Arroganz einiger Christen stinkt zum Himmel. Da liest man: lebenslängliche Treue sei bei "Homo-Ehen" nicht zu erwarten und der Schreiber stützt sich auf statistische Untersuchungen. Und dann wird gefragt, ob die Synode solche Untersuchungen nicht kenne. Und ob die Synodalen die Bibel nicht lesen würden, in der vor der Selbstzerstörung des Menschen durch Homosexualität gewarnt würde. Der Leserbriefschreiber ist übrigens Professor.

Meine Frau bekam einen Anruf. Sie wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könne, aus den Händen eines Pastors, der Schwule segnet, das Abendmahl zu empfangen. Da fehlen einem die Worte. Was soll man dazu sagen? Das waren genau die Typen, mit denen sich Jesus zu Lebzeiten rumschlagen musste. Die Rechthaber, die Besserwisser, diejenigen, die ihre eigenen Vorstellungen noch über das gültige Recht stellen würden, diejenigen, die ihre Familienangehörigen steinigen lassen würden, wenn sie die eigene Ehre oder den eigenen Vorteil beschädigen. Eine viel wichtigere und drängendere Frage wäre, wie wir mit Menschen in der Gemeinde umgehen, die das Bekenntnis zu Jesus Christus, als dem Retter der Menschen mit Füßen treten, indem sie anders denkende und anders empfindende Menschen weiterhin diskriminieren. Ich kann hier nur auffordern und ermuntern, sich hier in diesem Kampf auf der richtigen Seite einzugliedern.

Nun, wo das Feuer auf Gemeindekirchenräte und einzelne Gemeindeglieder eröffnet wurde, sollten wir alles daran setzen, um wieder zu vertrauensbildenden Maßnahmen zu kommen, und das Thema da hin zu hängen, wo es hingehört: In die leidenschaftliche aber sachliche Diskussion, wohl wissend, das die rationale Argumentation nicht das einzige Mittel ist, um Menschen zu überzeugen. Ich plädiere dafür, dass diejenigen, die bisher vielleicht viel über Homosexualität geredet, aber noch nicht mit einem Homosexuellen über dieses Thema gesprochen haben besser ihren Mund halten. Und diejenigen, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Menschen nicht ertragen können, jetzt nicht die Menschen angreifen, die damit keine Probleme haben. Ich weiß, dass es manchmal nicht einfach ist Person und Position zu trennen. Doch die Auseinandersetzung führen wir um Positionen. Und ich führe sie nicht um der Position, sondern um der Personen willen. Und wer meine Position verunglimpft oder als unbiblisch brandmarkt, der muss damit rechnen, dass ich mit den Waffen einer vernünftigen Argumentation entsprechenden Widerstand leiste.

Was die Behandlung des Themas grundsätzlich so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es hier zum einen um die Wahrheitsfrage und zum anderen um ein Tabu geht. Beide Aspekte kann man nicht im Stil einer Matheaufgabe lösen. Manchmal ist das Leben komplizierter. Die Frage der Wahrheit entzündet sich immer wieder an der Bewertung einiger Bibelstellen. Das ist zunächst einmal positiv zu bewerten. Denn hier finden wir uns auf gutem lutherischen Boden. An diesen Bibelstellen zeigt sich unser Umgang und unser Verständnis der Heiligen Schrift. Mich verwundert es aber, wenn die Kirchenleitung mich zu einem zeitraubenden, anstrengenden sechs Jahre dauernden Studium animiert, mich im Examen bezüglich meines historisch kritischen und vor allem wissenschaftlichen Umgangs mit der Schrift durch die Mangel nimmt, mich auf die Linie des lutherischen Bekenntnisses trimmt, und dieselben Leute dann einzelne Bibelstellen aus dem historischen Zusammenhang reißen und den Eindruck vermitteln, als ginge es hier beim Thema Homosexualität um Fragen des Bekenntnisses. Schauen wir uns die oft zitierten Bibelstellen genauer an. Im 3. Buch Mose steht: Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel. (18,20) Und: Wenn jemand bei einem Mann liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist, und beide sollen des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen. (20,13). Das steht da, wirklich. Aber es sind Teile aus einem umfassenderen hebräischen Gesetzestext, dem sogenannten Heiligkeitsgesetz, das in der damaligen Zeit des Volkes Israel im Umfeld der Kampfsituation gegen konkurrierende Kulte seinen Platz hatte. Gesetze müssen im Laufe der Zeit aktualisiert werden, wenn sich die Lebenssituation und auch die Erkenntnisse der Menschen verändern. Nur dafür haben wir unsere Regierungen und Kirchenleitungen. Dieser Gesetzestext ist für uns nicht verbindlich, weil er nicht unser Gesetz ist. Sonst müssten auch alle anderen Paragraphen für uns Gültigkeit haben. Dieses Gesetz ist von historischen Interesse - mehr nicht. 

In seiner "Unterrichtung, wie sich die Christen in Mosen schicken sollen" schreibt Luther im Jahr 1526 genau zu diesem Heiligkeitsgesetz: Mose geht uns nichts an. Wenn ich das mosaische Gesetz in einem Gebot annehme, muss ich den ganzen Mose annehmen. Also würde daraus folgen: Wenn ich Mose zum Meister und Gesetzgeber annehme, müsste ich mich beschneiden lassen, die Kleider nach jüdischer Weise waschen und so essen und trinken, mich kleiden und all das halten, was den Juden im Gesetz geboten war." Luther sagt also: Alle Bibelverse gleichwertig verstehen geht nicht. Wenn wir alle Bibelstellen gleichwertig verstehen, würden sie uns bald gleichgültig. Würde ich die Bibel als Steinbruch für meine Argumentation benutzen, würde ich die Ehre meines Berufs schädigen. Denn als studierter Theologe, also als Schriftgelehrter ist es meine Aufgabe, die Bedeutung und den Wert der einzelnen Bibelstellen in ihrem Zusammenhang auszulegen. Nur für diese Arbeit bin ich ausgebildet worden. Sich die Bibelstellen nach belieben auszusuchen, um die eigene Argumentation zu stützen ist nicht das Bibelverständnis der Lutherischen Kirche. Wir haben die große Linie zu suchen, die - wie Luther es sagte - Christum treibet, und aus diese Linie entwickeln wir unsere Argumentation; und nicht umgekehrt. Diese Art des Umgangs mit der Schrift ist eine echte Bekenntisfrage. Für dieses Bekenntnis stand Luther vor dem Kaiser.

Auch im Neuen Testament gibt es Bibelstellen, die gegen die Homosexualität angeführt werden. Im Römerbrief im ersten Kapitel wettert Paulus über die Schlechtigkeit der Menschen. Um im zweiten Kapitel die Unausweichlichkeit des göttlichen Gerichtes anzusagen, listet er alle erdenklichen Laster auf, die man sich vorstellen kann.. Und dabei sagt er dann auch: Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt. Und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Auch das steht in der Bibel.

Um es klar zu sagen: Das Thema, das Paulus hier anspricht,  ist nicht die Homosexualität! Vielmehr will Paulus in diesem Abschnitt klar machen, dass alle Menschen schuldig vor Gottes Gerechtigkeit stehen. Paulus führt die Homosexualität in einem Katalog menschlicher Laster auf. Doch wenn man sich die Praxis der Homosexualtät in der Antike anschaut, dann würde ich diese Praxis mit Paulus ebenfalls in diesen Lasterkatalog aufnehmen. Denn was Paulus hier verurteilt ist in unserem heutigen Sprachgebrauch sexueller Mißbrauch an Minderjährigen. Freie Männer in der Antike konnten sich Knaben im Alter von 12-28 Jahren, aber auch Frauen kaufen. Sie waren Objekte und damit Opfer der sexuellen Befriedigung, und diese Praxis, vor allem die der Knabenliebe war in der antiken Umwelt weithin toleriert. Die Form der Homosexualität, über die wir heute sprechen, hat mit dieser antiken Prostitution nichts, aber auch gar nichts zu tun. Insofern ist es nicht nur unfair, diese Stellen ohne den historischen Zusammenhang darzustellen, sondern im höchsten Maße verantwortungslos und diskriminierend.

Kommen wir zu dem Zweiten Aspekt unseres Themas, dem Tabu. Sexualität ist ein Tabu. Und es ist offensichtlich so, dass viele Menschen Probleme mit dem Umgang des Tabus haben. Es ist ein großes Problem, dass die Sexualität heute zu Markte getragen wird, wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Dieser Tabubruch bedeutet aber noch keinen freieren, gelasseneren Umgang mit der Sexualität, sondern führt eher zu deren Entwertung. Sowohl die Entwertung, als auch der hilflose Umgang in der Diskussion schaden der Sexualität. Wenn ich in der Kirche solche Sprüche höre, dass Sexualtität ihren Sinn in der Fortpflanzung findet, dann fühle ich mich persönlich diskriminiert. Sexualität hat ihren Wert an sich. Sie ist nicht Ausdruck der Sünde, sondern der Liebe. Die Sexualität ist etwas intimes. Sexualität hat mit meiner Person zu tun. Und diese Intimität ist bei uns Menschen sehr individuell. Der eine empfindet so, die andere anders. Wer will diese Empfindungen bewerten? Trotzdem ist die Intimität kein Freiraum für die Verantwortungslosigkeit. Es gibt einen Maßstab für unsere Empfindungen. Durch die eigene Sexualität muss der andere, der Partner in seiner Individualität gefördert werden. Nur so kann das Tabu zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Dieses Kriterium ist ungemein wichtig, weil mit dem Tabu schon so unendlich viel Mißbrauch getrieben wurde. Ein Grund für diesen Mißbrauch ist, dass wir den verantwortlichen Umgang mit dem Tabu nicht ausreichend lernen. Der Sexualkundeunterricht in der Schule kann das beim besten Willen nicht bringen.

Ich kann mir die panischen Reaktionen unserer Kirchenleitung in Sachen Homosexualität nur so erklären, dass das eigentliche Problem in diesem Tabubereich liegt. Die katholische Kirche erledigt dieses Thema der Homosexualität einfach damit, dass sie festlegt, dass es das Thema für sie nicht gibt. Wer als kirchlicher Mitarbeiter in der katholischen Kirche eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingeht, verliert als Krankenschwester oder Altenpfleger in einer katholischen Einrichtung seinen Arbeitsplatz. Und wenn unser Bischof mit dem katholischen Bischof am Tisch sitzt, und die beiden würden über die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare reden, weil die Zeitung dauernd darüber berichtet, müsste unser Bischof evangelische Flagge zeigen. Das ist bei einem Tabu-Thema nicht leicht. Ich würde da wahrscheinlich auch ins Schwitzen kommen. Aber wir können nicht, wie in der Geschichte von den klugen und törichten Jungfrauen beschrieben, unser Öl an die törichten Jungfrauen vergeben, wenn uns der Bräutigam im wahrsten Sinne des Wortes zur Hochzeit einlädt. (Mt. 25,1-13). Wir können nicht unsere Grundsätze verleugnen, nur weil andere unsere Grundsätze nicht teilen!

Ich finde es nebenbei äußerst unappetitlich, dass bei der Frage der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren immer wieder die generelle Frage behandelt werden muss, ob Homosexualität eine Lebenshaltung ist, die mit dem christlichen Glauben vereinbar ist. Ich kenne diese Bücher zur Genüge, in denen die Homosexualität als Sünde bezeichnet wird. Ich weißt nicht, ob die Autoren jemals mit Homosexuellen gesprochen haben. Mir haben alle meine schwulen Gesprächspartner gesagt, dass sie sich ihr Empfinden nicht ausgesucht haben. Im Gegenteil, die meisten haben versucht, es zu vertuschen und zu überdecken. Sie wollten nicht schwul sein. Sie wollten wie alle anderen ganz normal sein. Viele haben geheiratet, haben Kinder. Viel haben sich dann in ein Doppelleben verstrickt. Bis es aufflog und dann das Drama erst richtig anfing. Es ist nun wirklich langsam an der Zeit, dieses Chaos und diese Verlogenheit zu beenden. Fakt ist: Homosexualität hat es immer gegeben. Es wird sie immer geben. Gott macht den einen Menschen offenbar so, den anderen so. Leider sehen sich viele Schwule gezwungen sich zu outen. Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, ist es wie eine Befreiung. Doch was da passiert, finde ich im Grunde ganz schlimm und einer christlichen Gemeinde nicht würdig. Denn durch das Outing werden in unserer Gesellschaft Menschen gezwungen, sich über ihre Sexualität öffentlich zu definieren. Ich würde es für mich persönlich unerträglich finden, wenn ich mich über meine Sexualität - also letztlich über mein Tabu öffentlich definieren müsste. Ich hoffe, es wird langsam klar, was wir hier den Schwulen zumuten. Das ist unzumutbar.

Warum es so schwer ist, in dieser Frage grundsätzlich einen Konsens zu finden, liegt wahrscheinlich daran, dass die Befürworter und die Gegner von zwei unterschiedlichen Dingen sprechen. Die einen sprechen quasi von Äpfeln, die anderen von Birnen. So haben die Gegner einer Segnung in erster Linie die Sexualität im Blick, die Befürworter reden aber von der Liebe. Beides gehört zusammen, ist aber nicht dasselbe. Aus meiner Sicht wird die Sexualität in der Bibel nie ausdrücklich thematisiert. Die Liebe dagegen ist das zentrale Thema. Frage: Warum reden wir dann nicht endlich über das, was wirklich in der Bibel steht?

Die Kirchenleitung will nun eine große Entscheidung erzwingen. Deshalb bleibt die Frage: Wie soll man sich denn nun entscheiden? Welcher Weg ist der richtige? Um wichtige, strittige Fragen in der Kirche oder in der Gemeinde anzugehen, kann man sich an eine gute Regel halten, indem man sich fragt:. Was würde Jesus in dieser Situation tun? Würde er den Segen jenen Menschen verweigern, die sich versprechen in ernsthafter Liebe miteinander zu leben. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Was würde Jesus zu dem sagen, der Angst hat, das Leitbild der Ehe würde durch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zerbrechen? Ich glaube, Jesus würde in ähnlicher Weise wie das Bundesverfassungsgericht argumentieren, dass der rechtliche Schutz der Ehe nicht mit einer Schlechterstellung anderer Lebensformen begründet werden kann. Außerdem würde Jesus sicherlich zurückfragen, was ein Leitbild "Ehe" für einen Sinn macht, wenn es für Schwule gar kein Leitbild sein kann. Er würde wohl sagen: Wenn ihr wirklich in Sorge um die Ehe seid, dann kümmert euch nicht um die Schwulen, sondern kümmert euch um die Ehen und die Familien, die wie die Strohhalme zerbrechen!

Und was würde Paulus sagen zu unserem kleinen "Kirchenkampf"? Paulus kannte solche Situationen zu Genüge. Paulus hat einmal an die Korinther geschrieben, als es um die Frage ging, ob denn einige in der Gemeinde das Götzenopferfleisch weiter essen dürften oder nicht: "Die Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen. Essen wir nicht, so werden wir darum nicht weniger gelten; essen wir, so werden wir darum nicht besser sein. Seht aber zu, dass diese Eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird..." (1. Kor. 8,.7ff.)

Machen wir uns klar, was der Begriff "Götzenopferfleisch" bedeutet: Hier sind die einen der Auffassung, dass man Praktiken anderer Kulte in den neuen Glauben einbringen darf. Die anderen wehren sich dagegen und vertreten die "reine Lehre". Dieses Thema ist keine Lapalie. Die Frage nach der Zulässigkeit des Götzenopferfleisches könnte man in seiner Tragweite heute vielleicht damit vergleichen, dass jemand beim Abendmahl bei uns heute Schokolade und Coca-Cola austeilen würde. Paulus aber sagt: Die Speise wird uns nicht vor Gericht bringen. Also, hängt das nicht so hoch! Sucht nach einer pragmatischen Lösung! Das ist Paulus´ Ratschlag.

In diesem Geist hat die Synode recht gehandelt. Sie hat das Thema pragmatisch eine Etage tiefer gehängt und  in die Verantwortung in die Hände der Gemeinden gelegt. So handelt man nach biblischen Grundsätzen! Wer sich dagegen aufbläst, hat die in der NWZ verkündete Kirchenspaltung an der Basis und auch die Kirchenaustritte zu verantworten.

Durch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, wird keinem heterosexuellen Paar etwas genommen. Die Schöpfungsordnung kommt nicht durcheinander. Es wird auch keiner genötigt schwul zu werden. Keinem Christen wird es in irgendeiner Hinsicht schlechter gehen als zuvor. Einigen wenigen wird es aber wesentlich besser gehen. Jeder soll einfach den Segen bekommen, den er um und nach Gottes Willen braucht.

Amen.


Pfarrer Bernd Passarge ist mit Email unter "jadekirche" bei aol.com zu erreichen.