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Weltjugendtag 2005 für alle |
[Letzte Aktualisierung: 25.08.2005] |
Geschrieben 21.8.2005, kleine Korrekturen auch später
Jemand, der für Webseiten verantwortlich ist, liest nicht nur die Seiten selbst. Er interessiert sich auch dafür, wie die Seiten ankommen, welche Seiten besonders gefragt sind, wie sich die Zugriffshäufigkeit über die Tage und Monate ändert, usw. Kommerzielle Webseiten-Anbieter beschäftigen dafür ganze Teams von Medien-Fachleuten, die komplizierte Software benutzen. Wir, Ulrich und ich (wir betreuen zusammen die Internet-Webseiten der HuK, er von Stuttgart und ich von Paderborn aus), sehen einfach immer wieder mal im Dateiverzeichnis mit den Zugriffs-Statistiken, http://www.huk.org/statistik/, nach. Diese Daten sind für jede(n) zugänglich, nicht nur für die Webmaster; sie werden automatisch generiert und im Tages-Rhytmus aktualisiert. Für diesen Text habe ich einen "Schnappschuss" vom 20.8.2005 abends (bzw. 21.8. morgens) eingefroren.
Selbst wenn ich nicht vorgewarnt gewesen wäre, wären mir da einige Tage im August aufgefallen:
Summary Period: Last 12 MonthsDie Graphik mit der Verteilung über die Tage zeigt, wann der Ansturm einsetzte: Es war genau am Mittwoch, 17.8., mit dem Höhepunkt am 18.8.
Summary Period: Last 12 Months

Die Graphik mit der Verteilung über die Monate zeigt, dass wir für August 2005 schon am 20.8. ähnlich viele Besuche hatten wie in vollständigen Monaten vorher. Auf einer Pro-Tag-Basis sind es zur Zeit ca. 40 % Besucher mehr.
Summary Period: August 2005| Top 30 of 701 Total URLs | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| # | Hits | KBytes | URL | ||
| 1 | 10365 | 10.68% | 9629 | 1.31% | /stil.css |
| 2 | 4716 | 4.86% | 17350 | 2.35% | / |
| 3 | 3902 | 4.02% | 3104 | 0.42% | /favicon.ico |
| 4 | 3744 | 3.86% | 89088 | 12.09% | /index_d.htm |
| 5 | 3085 | 3.18% | 44159 | 5.99% | /wjt/ |
| 6 | 1718 | 1.77% | 38680 | 5.25% | /cgi-bin/guestbook03/guestbook.cgi |
| 7 | 1473 | 1.52% | 606 | 0.08% | /robots.txt |
| 8 | 852 | 0.88% | 44299 | 6.01% | /regional/ |
| 9 | 602 | 0.62% | 818 | 0.11% | /fotos/ |
| 10 | 574 | 0.59% | 4970 | 0.67% | /allgem/ |
| 11 | 430 | 0.44% | 17828 | 2.42% | /texte/ |
| 12 | 411 | 0.42% | 30058 | 4.08% | /links.htm |
| 13 | 374 | 0.39% | 6562 | 0.89% | /e/ |
| 14 | 372 | 0.38% | 8342 | 1.13% | /aktuell/ |
| 15 | 368 | 0.38% | 4700 | 0.64% | /e/wyd.htm |
| 16 | 343 | 0.35% | 199 | 0.03% | /fotos/Kirchentag2005-1-MdM.html |
| 17 | 313 | 0.32% | 67 | 0.01% | /gaestebuch.htm |
| 18 | 312 | 0.32% | 181 | 0.02% | /fotos/Kirchentag2005-2-MdM.html |
| 19 | 291 | 0.30% | 169 | 0.02% | /fotos/Kirchentag2005-3-Abend.html |
| 20 | 288 | 0.30% | 6063 | 0.82% | /allgem/bibel.htm |
| 21 | 278 | 0.29% | 2208 | 0.30% | /org/ |
| 22 | 266 | 0.27% | 2389 | 0.32% | /termine/ |
| 23 | 240 | 0.25% | 1782 | 0.24% | /aktuell/bibelzitate-woertlich.htm |
| 24 | 232 | 0.24% | 1480 | 0.20% | /allgem/3fragen.htm |
| 25 | 217 | 0.22% | 4457 | 0.60% | /presse/ |
| 26 | 207 | 0.21% | 1588 | 0.22% | /f/jmc.htm |
| 27 | 205 | 0.21% | 6276 | 0.85% | /allgem/bibel-schwul-lesbisch.htm |
| 28 | 200 | 0.21% | 5767 | 0.78% | /aktuell/05-06-radio-vatikan-papst-homosexuell.html |
| 29 | 189 | 0.19% | 3786 | 0.51% | /regional/paderborn/ |
| 30 | 183 | 0.19% | 333 | 0.05% | /regional/nuernberg/home.htm |
| View All URLs | |||||
Die Tabelle der am häufigsten aufgerufenen Seiten - diese nicht tageweise, sondern nur für den ganzen (Teil-)Monat August - zeigt schließlich die Bedeutung unserer WJT-Seite www.huk.org/wjt und auch der englischen und der französischen Version: Sie waren schon im Juli kräftig nachgefragt; im August wurde die (deutschsprachige) Seite der absolute Spitzenreiter, gleich nach der Eingangsseite und mit mehr Zugriffen als die (sonst führende) Seite mit den Adressen der HuK-Regionalgruppen.
Die Positionen 1,3 und 7 der Liste sind technischer Art und bezeichnen keine eigentlichen Webseiten.
Zusammen mit anderen Mitgliedern der HuK war ich nach Köln gekommen, um die Teilnehmer auf unsere Veranstaltungen aufmerksam zu machen, und um für Anfragen von Presse, Rundfunk oder Fernsehen zur Verfügung zu stehen. Und bald gab es mehr, als wir geahnt hatten: Am 17.8. hörten wir zum ersten Mal von dem Gerücht, dass an den PCs im offiziellen Pressezentrum des Weltjugendtags unsere Webseiten nicht zugänglich seien. Ich selbst hatte zum Pressezentrum keinen Zutritt, wusste nicht einmal, wo es liegt - wir HuKies waren ja keine akkreditierten Journalisten. So baten wir einen Journalisten, mit dem wir gerade einen Termin ausmachten, ob er der Sache nachgehen könne. Vermutlich kam er aber erst dazu, als alles schon wieder herum war.
Aber noch am selben Tag, am 17.8., waren zwei engagierte Redakteure des Stern von sich aus auf die Sache gestoßen und hatten etwas ausführlicher recherchiert. Sie berichteten darüber in dem Online-Artikel von stern.de, der alles auslöste.
Am Donnerstagmorgen, 18.8., sah ich den Artikel zum ersten Mal, und las auch von den ersten Protesten, die er ausgelöst hatte. Zunächst wollte ich lieber vorsichtig sein und bat in einer kurzen Mail an den HuK-Bundesvorstand, nicht gleich in Protestrufe auszubrechen, bevor nicht geklärt sei, was denn wirklich Sache ist: Ich weiß von Software zum Blockieren von Webseiten, die z.B. Firmen routinemäßig innerhalb von Firmen-Netzen einsetzen, und ich wollte vermeiden, dass wir Vorwürfe erheben, die sich später als unberechtigt herausstellen.
Fragen über Fragen: Hatte man gezielt unsere Seiten gesperrt? Oder war es der Nebeneffekt einer allgemeinen Blockier-Software, wie man sie kommerziell z.B. für den Einsatz in Firmennetzen kaufen kann? Ich weiss von der prinzipiellen Wirkungsweise solcher Software, kenne aber das hier wahrscheinlich verwendete Produkt natürlich nicht. Kann man da einzelne Domain-Namen wie "huk.org" gezielt sperren? (Inzwischen nehme ich an: Ja, man kann.) Dass im Vorfeld des Weltjugendtags unsere Webseiten von mancher Seite aus argwöhnisch betrachtet worden waren, wusste ich. Dabei können wir gern jedem zeigen, wie harmlos die WJT-Seite eigentlich war; nachträglich habe ich eigens den Zustand vom 15.8. (erster WJT-Tag in Köln) archiviert:
Ist das die ganze Aufregung wert, die offenbar entstanden ist?
Glücklicherweise traf ich am mittags am 18.8. auf der Straße vor unserem kleinen Info-Tisch den Autor des Artikels, Lutz Kinkel, und seine Kollegin, die die Recherchen gemacht hatten. Wir gingen zusammen den Artikel durch, und wir sahen einiges, das für die andere Schlussfolgerung sprach, dass die Sache vielleicht doch nicht ganz so harmlos war. Da ich kein Journalist im Pressezentrum war, und da die Sperrung inzwischen ohnehin wieder aufgehoben war, konnte ich selbst keine Versuche machen (Natürlich hätte ich das liebend gern getan). Gut, der Ton der Artikels war ein wenig salopp ("Surfen ohne Sünde"), aber die Fakten waren offenbar korrekt wiedergegeben gewesen:
Dies zusammen ließ die Erklärung als möglich erscheinen, dass Filter-Software, in einer Einstellung z.B. zum Blockieren von Pornographie, unsere Seiten unterdrückt haben könnte: Schließlich haben wir auf www.huk.org in einer (für den Normal-Betrachter unsichtbaren) Liste von Schlagworten für Suchmaschinen neben "Kirche", "Religion", "Glaube", "christlich" auch die Worte "homosexuell", "Homosexualität", "schwul", "lesbisch" - das ist schließlich unser Thema; es ist auch Bestandteil unseres Vereinsnamens. Auch in den eigentlichen Texten kommen sicher bei uns wie beim LSVD öfters einmal Worte wie "homosexuell" oder "schwul" vor. Später sah ich eine Meldung von "Heise Online", die erstmals den Namen der beauftragten Firma nennt und die eine Interpretation "Es war ein Versehen" als denkbar erscheinen lässt.
Was mich trotzdem stutzig machte, war die Tatsache, dass auch andere potentiell kritische Seiten wie die des Jugendmagazins "Neon" von Stern (http://neon.stern.de) nicht durchkamen. Gern hätte ich auch die Home Pages von kirchenkritischen Organisationen wie www.ikvu.de (Ökumenisches Netzwerk Kirche von unten) oder www.we-are-church.org (Wir sind Kirche) ausprobiert, die wahrscheinlich nicht etwas mit "sex" im Namen oder in den Stichworten haben; aber diese innerkirchliche Detailkenntnis konnte man von den Stern-Journalisten nicht erwarten. So versuchte ich kurz, "neon.stern.de" anzusehen: Ein lebendig aufgemachtes Online-Jugendmazin einer Zeitschrift, wie es im Internet mehrere gibt. Ich habe später eigens im HTML-Quellcode der Neon-Seite nachgesehen: "Verdächtige" Schlagworte habe ich dort nicht gefunden, wohl aber auf der Eingangsseite (Stand 20.8., zur Print-Ausgabe 09/2005) das Wort "Sex". Bei einem Jugendmagazin mit ständig wechselnden Themen kommt es eben vor, dass auch mal Sexualität Thema ist. Pornographie gibt es natürlich bei Neon genauso wenig wie auf den HuK- und den LSVD-Seiten.
Man kann selbstverständlich der Leitung des Pressezentrums keinen Vorwurf machen, wenn sie auf den ihr gehörenden PCs Porno- oder Nazi-Seiten sperrt. Das ist im Firmennetz meiner Firma genauso - auf www.huk.org allerdings kann ich auch von dort aus zugreifen. Wenn das Verhindern von mißbräuchlicher Benutzung der Grund gewesen sein sollte, dann hat man wohl auch ein wenig mit Kanonen auf Spatzen geschossen: Ich kann mir nur schwer einen Journalisten vorstellen, der im hektischen Gewühl eines Weltjugendtags-Pressezentrums, unter Zeitdruck, im Blickfeld von -zig Kolleginnen und Kollegen, im Internet auf Porno-Seiten surfen geht. Zu Hause vielleicht - aber dort?
War es wegen des Ziels "Jugendschutz" geschehen, für das Filter-Software anderswo, z.B. in Schulen, hauptsächlich eingesetzt wird? Im Pressezentrum waren doch wohl nur erwachsene JournalistInnen, und: Wie die "Tester" von stern.de glaubhaft und bisher unwidersprochen berichteten, waren in dem von den Weltjugendtag-Organisatoren für die jugendlichen Besucher eingerichteten, gleich nebenan gelegenen Internet-Cafe keinerlei Seiten gesperrt, weder Porno- noch HuK-Seiten.
Nach Erscheinen des "stern.de"-Artikels verbreiteten mehrere andere Online-Medien die Meldung, und schon bald gingen die ersten Proteste ein: Der LSVD und andere protestierten; die Sache begann peinlich zu werden. Wahrscheinlich wurde den Verantwortlichen im Pressezentrum bald klar, was für ein Eigentor sie geschossen hatten, und wie die Berichterstattung in den Medien erst recht zu einem Run auf unsere Internet-Seiten und zu einem schlechten Presseecho für die WJT-Organisation führte. So kam es, dass noch am Donnerstag, 18.8. die Sperrung wieder aufgehoben wurde: Die HuK-Seiten waren auch im Pressezentrum wieder zugänglich, Porno-Seiten auch.
Am Freitagvormittag, 19.8., sah ich schließlich in der "offiziösen", täglich neu kostenlos verteilten Weltjugendtags-Zeitung "Direkt" (mit WJT-Logo auf der Titelseite) einen Artikel mit der Überschrift "Access Forbidden", auf deutsch und englisch. Eine inhaltlich ähnliche Stellungnahme war bzw. ist auch online zugänglich, siehe die Stellungnahme des WJT-Pressesprechers. In ihr wird vehement bestritten, dass eine "redaktionelle Zensur" bestanden habe. Trotzdem habe ich als Informatiker noch einige Fragen: Wie genau kam der genannte "Begriffs- und Adressenpool" zustande?
"Begriffspool": Im Gespräch mit Ulrich am 21.8., in Ruhe, kamen wir zum Schluss, dass die Vermutung "Überscharf eingestellte Sperr-Software, die Parameter stark auf Sexualität fixiert" einiges für sich hat. Trotzdem, eine Bemerkung kann ich mir auch dann nicht verkneifen: Es ist denkbar, dass tatsächlich eine Fixierung der Sperr-Parameter auf "Was 'sex' im Namen hat, ist böse" zu dem Vorfall geführt oder zumindest beigetragen hat. Aber ist eine solche Fixierung so ganz unabhängig von dem, was Kirchen jahrelang gelehrt haben, und woran gerade die römisch-katholische Amtskirche unverdrossen festhält?
"Adressenpool", Nachtrag am 23.8.: Heute früh habe ich ein wenig die Internet-Webseiten eines Anbieters von "URL-Filtern" angesehen. Dort wird betont, wie flexibel sich die Parameter an die Bedürfnisse des Kunden anpassen lassen. Von "Software aus dem Hause Siemens" und von einem "Adressenpool" war in dem Dementi des Pressesprechers die Rede gewesen. Die technisch klingenden Begriffe können darüber hinwegtäuschen, was ein "Adressenpool" ist: Listen von Internet-Domain-Namen, deren Webseiten durchzulassen oder eben zu sperren sind. Beim umstrittenen Thema "Kondome" etwa wurden nach Aussagen der Beobachter einige kirchentreue Webseiten durchgelassen, einige andere Seiten zum gleichen Thema aber nicht. Ein so fein eingestellter Pool entsteht nicht von alleine. Software-Firmen mögen Hilfmittel zu seiner Erstellung liefern, den letztlich anzuwendenden Filter legen nicht sie fest. Also: Ungeschicklichkeit oder doch das "Z-Wort"?
Auf unseren HuK-Webseiten bemühen wir uns primär, aktuell und vollständig zu berichten: Natürlich Grundlegendes zu unserem Verband und unserer Position, aber wir versuchen auch, Texte aus den Kirchen (Texte, die nicht von der HuK stammen) möglichst vollständig zu dokumentieren. Das ist zusammen viel Text, und mir wurde schon öfters gesagt, dass unsere Seiten zu "textlastig" und gerade für junge Leute nicht "peppig" genug seien. Als Auflockerung versuche ich, ab und zu wenigstens einen Cartoon, eine Karikatur auf die Seiten zu setzen. So griff ich auch bei einer Aktualisierung der urspünglichen WJT-Seite irgendwann einmal im Juli in die elektronische Bilderkiste und fügte auf der Webseite die nebenstehende Karikatur ein. Ich dachte dabei an die Tendenz, Themen aus dem Bereich Sexualität in der katholischen Kirche (und auch in vielen evangelischen Kirchen) nicht anzusprechen, sie zu unterdrücken. Dass die Schere in elektronischer Form mir einmal direkt begegnen würde - und sei es nur in Form eines ungeschickten Umgangs mit dem Werkzeug -, hätte ich nicht gedacht.
Die Aufregung, die mit unseren Webseiten begonnen hat, die tolle Werbung, die das Weltjugendtags-Büro und damit auch die Erzdiözese Köln für unsere Home Page gemacht haben, sie tragen Züge einer Realsatire; und auch ich gebe zu, dass ich an diesen hektischen Tagen ab und zu ein Lächeln nicht unterdrücken konnte. Da tut es gut, auch einmal zur Ruhe zu kommen und sich über ganz schlicht über Rückmeldungen wie den folgenden Eintrag in unserem Gästebuch zu freuen:
| Julia |
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Hallo! Ich war am Freitag Abend im Gottesdienst in der Kartäuserkirche in Köln und möcht mich bedanken - hatte das erste Mal seit Ewigkeiten mal wieder das Gefühl, in der Kirche einen Platz und eine Daseinsberechtigung zu haben - so wie ich bin, lebe und liebe.
Samstag, 20. August 2005 AD, 13.22 Uhr
- Süddeutschland
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Unter den Gästebuch-Einträgen ist oft auch Unsinniges, die endlose Wiederholung uralter Argumente. Aber über diesen Eintrag - den wir ganz bestimmt nicht bestellt oder manipuliert haben - habe ich mich, und haben sicher wir alle uns sehr gefreut. Danke, Julia!
Denn der Eintrag gibt genau wieder, warum wir all dies gemacht haben, warum wir unter nicht gerade idealen Bedingungen Flyer gedruckt und verteilt, T-Shirts und Luftballons gekauft und uns manchmal die Beine in den Bauch gestanden haben. Ich habe es in diesen Tagen mehrmals Journalisten ins Mikrophon gesprochen oder für den Notizblock gesagt: Ein gemeinsamer Protest gegen eine nur von Prinzipien her bestimmte Sexualmoral, die die Erkenntnisse auch der eigenen theologischen Wissenschaft ignoriert, ist immer wieder einmal nötig. Aber für die HuK gilt ausserdem: Unser eigentlicher Adressat war gar nicht der Papst, obwohl Journalisten immer wieder fragten "Was erwarten sie vom Papst-Besuch in Köln?" Unser eigentlicher Adressat waren die vielen Jugendlichen und auch Erwachsenen, die nach Köln gekommen waren, homosexuelle, hetero- und bisexuelle. Wir wollten ihnen die Freude am Weltjugendtag, auch die Freude am Papstbesuch, nicht vermiesen. Aber wir wollten ihnen Mut machen, zu ihrer Identität zu stehen, auch in der Kirche, in der Kirche sich zu Wort zu melden, und gemeinsam mit anderen Kirche zu leben. Ich kann es nicht besser sagen, als es in den Schlussätzen eines Buches zum Thema ("Was auf dem Spiel steht", 1993) gesagt wird:
Wir träumen den Traum von einer Kirche, in der heterosexuelle wie homosexuelle Männer und Frauen mit ihren Partnerinnen und Partnern leben und arbeiten können, von einer Kirche, in der wir miteinander nach Wegen suchen, die Fülle des Lebens Gottes zu suchen, die er uns geschenkt und verheißen hat.