Evangelische Kirchen

Möglichkeiten der kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Hochzeitstorte queerNach der Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes im Jahr 2001 und der Bestätigung seiner Verfassungsmäßigkeit durch das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2002 wird die Frage nach einer Segnung lesbischer und schwuler Paare in den christlichen Kirchen in Deutschland verstärkt diskutiert. Das Bild ist überaus unterschiedlich und vielfältig. Diese Webseite gibt einen Überblick über die Situation in den verschiedenen Kirchen. Zu der eher praktischen Frage „Wohin können wir uns wenden, wenn wir für unsere Partnerschaft um den Segen Gottes bitten wollen?” haben wir eine eigene Ratgeber-Seite.

Wie auf der Ratgeber-Seite schon gesagt, soll auch hier darauf hingewiesen werden: Es gibt mehr Pfarrer und Pfarrerinnen, die zu einem Segnungsgottesdienst bereit sind, als man oft annimmt. Dies gilt auch in den Kirchen, in denen die Kirchenleitungen solche Segnungen ablehnen oder in denen es keinen offiziellen Beschluss dazu gibt. Allerdings werden sie vor allem in diesen Kirchen darauf Wert legen, dass aus der Feier kein Medien-Ereignis wird, werden vielleicht eine diskrete Behandlung (keine Öffentlichkeit über die direkt Eingeladenen hinaus) zur Bedingung machen (müssen).

 

1. Evangelische Kirche

Partnerschaftssegnung in den Landeskirchen
„Partnerschaftssegnung in den Landeskirchen” von Dennis Wiedemann ist lizenziert unter der CC BY-SA 4.0. Es beruht auf dem Werk Deutschland Landeskirchen ev 2012 von Svolks.

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Anders als oft angenommen, ist „die evangelische Kirche” in Deutschland keine Organisation, die bundesweit gleichförmig strukturiert ist und nur von einer bestimmten Stelle aus geleitet wird. Historisch gewachsen haben die verschiedenen evangelischen Landeskirchen eine starke Selbständigkeit; die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist eine Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten und unierten Kirchen. So ist die Beschlusslage zur Trauung oder Segnung gleichgeschlechtlich Liebender nicht einheitlich. Die untenstehende Tabelle versucht, eine Übersicht über den aktuellen Stand zu geben. Nachdem sich die meisten in der EKD vereinigten Kirchen inzwischen zur Segnung durchgerungen haben, gibt es inzwischen erste Kirchen, die auch Trauungen zulassen. Einzelne Landeskirchen haben schneller als andere erkannt, dass ihre homosexuellen Gemeindeglieder – ebenso wie alle anderen – bei diesem wichtigen Punkt ihres Lebens von der Kirche mit Fürbitte und Segen begleitet werden sollen. Ähnlich wie bei der Frage der Zulassung von Frauen zum Pfarramt, bei der es zunächst in einigen Landeskirchen auch Widerstände gab (der sich übrigens auch auf eine enge, wörtliche Auslegung mancher Bibelstellen berief), ist zu hoffen, dass sich ein Konsens in Richtung einer Kirche bildet, die allen ihren Gliedern Heimat sein kann.

Wir von der HuK setzen uns weiterhin für die völlige Gleichstellung ein, auch die Trauung für gleichgeschlechtlich Liebende. Innerhalb der HuK befasst sich die Arbeitsgruppe Evangelische Kirchenpolitik (EvKiPo) an den Diskussionen in den verschiedenen Landeskirchen und versucht, die Kirchen zu diesem Ziel voranzubringen.

Nachdem sich die Beschlusslage in den einzelnen Landeskirchen in den letzten Jahren häufig geändert hat, erwarten wir auch künftig neue Beschlüsse zu dem Thema. Wir bitten dann um eine E-Mail  mit den entsprechenden Korrekturen oder Nachrichten zu den einzelnen Landeskirchenan die Webmaster oder an EvKiPo. Dafür sind wir dankbar.

 

EKD-Gliedkirche Trauung/Segnung als Amtshandlung Kirchliche Segnung
Segnung nicht möglich
Anhalt
[a], [b]
Baden [a], [c]

Bayern
[a], [d]
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz [e]

Braunschweig
[a]
Bremen
[a], [h]

Hannover
[a], [i]

Hessen-Nassau [j]

Kurhessen-Waldeck
[a], [k]

Lippische Landeskirche (lutherischer Teil)

[l]
Lippische Landeskirche (reformierter Teil) (✔)[m]
Mitteldeutschland [n]
Norddeutschland [o]

Oldenburg
[p]
Pfalz [q]

Reformierte Kirche [r]
Rheinland [s]

Sachsen [a], [t]
Schaumburg-Lippe
(✔)[u]
Westfalen
[a], [v]
Württemberg

[w]

Für einige Landeskirchen ist in der obigen Tabelle ein eingeklammerter Haken eingetragen. Hier ist eine offizielle Beschlusslage nicht bekannt.

  1. Steht im Ermessen der einzelnen Gemeinde und des_der einzelnen Pfarrers_in.
  2. Immerhin auf der Seite „Heiraten” gibt die Evangelische Landeskirche Anhalts folgende Auskunft: „Können wir uns als homosexuelles Paar kirchlich trauen lassen? – Dies ist nicht möglich. Allerdings können Sie sich vereinzelt als Paar segnen lassen. Sprechen Sie Ihren Pfarrer oder Ihre Pfarrerin an.” Quelle
  3. Quelle
  4. „Eine segnende Begleitung homophiler Menschen in ihrer Partnerschaft ist daher im seelsorgerlichen Rahmen möglich. Wie eine solche Segenshandlung gestaltet werden kann, sollte mit dem Pfarrer/der Pfarrerin vor Ort besprochen werden.” Quelle
  5. Quelle
  6. In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig gilt ein Beschluss der X. Synode vom 20. bis 22. November 2003. Danach sind Segnungen möglich. Der Kirchenvorstand muss dem aber generell, der Pfarrer oder die Pfarrerin im Einzelfall zustimmen.
  7. Ein Beschluss der Kirchenleitung liegt nicht vor, vielmehr haben die Einzelgemeinden die Entscheidungsfreiheit einen Segnungsgottesdienst durchzuführen. Quelle
  8. Die Webseite der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers schweigt sich dazu aus. Evangelisch.de berichtet, dass die Synode November 2014 beschloss, homosexuelle Paare künftig öffentlich in Gottesdiensten zu segnen. Quelle
  9. Ordnung des kirchlichen Lebens in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Lebensordnung) vom 15. Juni 2013 (ABl. 2013 Nr. 8), S. 52–63. Quelle
  10. Segnungen von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft, Kassel 2013, S. 8–10. Quelle
  11. Quelle
  12. Noch keine Regelung getroffen, in Vorbereitung.
  13. Synodalbeschluss vom November 2012. Quelle
  14. Quelle
  15. Quelle
  16. Durch den Synoden-Beschluss vom 11. Mai 2017 der Evangelischen Kirche der Pfalz wird hinsichtlich des Eintrags in die Kirchenbücher bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare genauso verfahren wie bei heterosexuellen Paare. Deshalb wird das bisherige Traubuch in „Kirchenbuch über Gottesdienste anlässlich von Eheschließungen und der Begründung Eingetragener Lebenspartnerschaften” umbenannt. Allerdings wird die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht als Amtshandlung in die Verfassung der Landeskirche aufgenommen. Quelle
  17. Wird durch die Einzelgemeinde entschieden. 15 von 145 Gemeinden bieten das an. Den anderen lagen noch keine entsprechenden Anfragen vor. Quelle
  18. Beschluss der Synode am 15. Januar 2016. Quelle
  19. Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 20/21 vom 11. November 2016, B46.
  20. Die Kirche will sich des Themas demnächst annehmen. Quelle
  21. Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2014 in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden. Analog zur Trauung setzt diese Segnung die öffentlich-rechtliche Eintragung der Lebenspartnerschaft voraus. Die entsprechende Bescheinigung ist der Pfarrerin oder dem Pfarrer vorzulegen. Ein Gottesdienst zur Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares kann ohne jede Einschränkung seiner Öffentlichkeit stattfinden. Eine der zu segnenden Personen muss evangelisch sein. Quelle
  22. „In der Evangelischen Kirche in Württemberg sind Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare offiziell nicht möglich. Gleichwohl gibt es immer wieder Gemeinden, die Segnungen vornehmen.” Quelle

Wir halten außerdem ein Archiv des Standes im Januar 2016 mit weiterführenden Dokumenten, die vor allem von historischem Interesse sind, bereit.

 

2. Alt-Katholische Kirche

In der Alt-Katholischen Kirche Deutschlands gibt es seit 1997 einen Synodenbeschluss, der folgenden Wortlaut hat: „Die Synode stellt fest, dass in vielen unserer Gemeinden gleichgeschlechtlich liebende Frauen und Männer integriert sind. Die Synode bittet die Gemeinden, sich um ein Klima der Akzeptanz, der Offenheit und Toleranz gegenüber homosexuell liebenden und lebenden Menschen weiterhin zu bemühen.”

In diesem Sinne gibt es seit mehreren Jahren eine Praxis von Segnungen in alt-katholischen Gemeinden, die jeweils im Einzelfall mit den Pfarrerinnen, den Pfarrern und den Kirchenvorständen abgestimmt werden.

 

3. Römisch-Katholische Kirche

Die offizielle Haltung der Römisch-Katholischen Amtskirche ist strikt ablehnend, getreu der vatikanischen Vorgabe, wie sie z. B. im „Weltkatechismus” (1994) und in dem neueren Dokument „Erwägungen zu den Entwürfen einer Rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen Homosexuellen Personen” der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre (Juli 2003) zum Ausdruck kommt. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz der römisch-katholischen Kirche hat sogar beschlossen, dass das Eingehen einer eingetragenen Partnerschaft für Arbeitnehmer im kirchlichen Dienst ein Verstoß gegen die Loyalitätspflicht ist, der rechtliche Folgen hat (d. h. Kündigung). Siehe dazu unsere Dokumentation des Beschlusses sowie die Erklärung der HuK.

Andererseits wird in allen Verlautbarungen immer wieder betont, dass keine Diskriminierungen stattfinden sollten. Dementsprechend gab und gibt es auch in dieser Kirche Priester, die, ihrem Gewissen folgend, Bitten von schwulen und lesbischen Paaren nach einer Partnerschaftssegnung nachkommen, sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, dringt davon nichts an die Öffentlichkeit. Eine solche Ausnahme ist die Pastoralkonferenz der römisch-katholischen Kirche Baselland, die in einem Informationsblatt die Bereitschaft vieler Pfarreien und Seelsorgender im Baselbiet zu einem Segnungsgottesdienst bekannt gab. Außerdem haben manchmal auch regionale Gruppen der HuK Kontakt zu solchen Priestern; Bedingung wird dabei oft sein, dass die Segnung nicht öffentlich ist.

 


Weiterer Link zum Thema: Wikipedia-Artikel zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaftssegnungen auch in anderen Kirchen und im Ausland.

 

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