Fundamentalismus und Konversionstherapien

Im Hinblick auf das Thema Homosexualität scheinen religiöse Fundamentalisten − egal, ob diese im radikalen Islam, orthodoxen Judentum oder im Christentum wurzeln − davon auszugehen, dass  Homosexualität ein Zeichen des Verfalls, der Dekadenz einer Gesellschaft, kurz: der abgrundtiefen Sündhaftigkeit darstelle. Deshalb wird Homosexualität in fundamentalistischen Religionen oder Religionsgemeinschaften vehement bekämpft.
Insbesondere hat die HuK immer wieder mit einer Ausprägung des christlichen Fundamentalismus zu tun, wie er sich in einigen evangelikalen Gruppen äußert. Deshalb können Sie auf dieser Seite insbesondere Texte zu evangelikalen Themen finden. Links auf Quellen evangelikaler Organisationen und einzelner Wortführer sollen den Einblick in die Gedankenwelt und Argumentationsweisen evangelikaler Hardliner im Kampf gegen gelebte und gesellschaftlich anerkannte Homosexualität ermöglichen.

CSD Stuttgart 2009 Gegendemo der PiusbrüderschaftDabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die HuK nicht die Ansicht vertritt, jede Äußerung von Evangelikalismus sei fundamentalistisch. In der HuK selbst gibt es eine Reihe von Mitgliedern mit pietistisch-evangelikalen Wurzeln. Manche haben sich davon – nicht ohne Schmerzen! – entfernt. Anderen sind diese Wurzeln in ihrem Leben weiter wichtig geblieben. Evangelikal zu sein kann einfach einen bestimmten Frömmigkeitsstil beinhalten, eine Vorliebe für besondere Formen, Gottesdienste zu feiern, zu beten, Lieder zu singen. Dies muss prinzipiell möglich sein, solange der Glaube nicht fordert, andere Menschen auszugrenzen, die dem eigenen Menschenbild, der eigenen Glaubensvorstellung nicht entsprechen.

Ein Thema, das stark mit christlichem Fundamentalismus zusammenhängt, besteht in einer Bewegung, Homosexuelle mit Konversionstherapien von ihrer Homosexualität zu "heilen". Nach wie vor gibt es keine umfassende wissenschaftliche Erkenntnis darüber, wie Homosexualität entsteht und ob die sexuelle Identität in irgendeine Richtung veränderbar ist. Festzustehen scheint, dass sich menschliche Sexualität auf vielfältige, auch graduell fein abgestufte Weise zwischen reiner Homosexualität und reiner Heterosexualität äußern und bewegen kann. Und obwohl die American Psychiatric Association 1973 Homosexualität aus der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen und dargelegt hat, dass Homosexuelle nicht krank und daher auch nicht zu therapieren seien, gibt es weiterhin Organisationen, Politiker_innen und (vermeintliche, meist in der Fachwelt umstrittene) Wissenschaftler_innen, die davon ausgehen, dass Homosexualität eine grundsätzlich krankhafte Persönlichkeitsstörung darstellt und therapierbar, ja sogar therapierbedürftig sei. Auffälligerweise sind sämtliche Bemühungen in diese Richtung durchdrungen von religiösen Ansätzen (häufig von evangelikaler Prägung), die aber zunehmend verschleiert werden.

Die HuK erkennt prinzipiell eine große Gefahr in der Verquickung religiöser und psychotherapeutischer Arbeit und plädiert für eine strikte Trennung von christlicher Seelsorge und psychologischer Therapie. Wir gehen davon aus, dass eine tatsächliche vollständige Veränderung der sexuellen Identität eher nicht möglich ist und der Versuch schwere psychische Schäden nach sich ziehen kann. Zwar gestehen wir es gerade religiös geprägten Menschen zu, unter ihrer Homosexualität u. U. leiden und zur Behebung dieses Leidens professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass das Leiden nicht durch die Veranlagung selbst, sondern durch negative gesellschaftliche Reaktionen darauf ausgelöst wird und eine Therapie daher an dieser Stelle anzusetzen hat.

So sieht die HuK ihre vornehmliche Aufgabe darin, in diesem Bereich durch fundierte, sachliche Auseinandersetzung mit den so genannten wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie-Konzepte Aufklärung zu betreiben. Vernetzt mit anderen Gruppen wie Zwischenraum, wollen wir Alternativen zu einer schädigenden Therapie und Wege zu einem Leben aufzeigen, in welchem die homosexuelle Veranlagung angenommen und gelebt werden kann, frei von Konflikten zwischen sexueller und religiöser Identität. Außerdem sei auf die Webseite exgay-observer hingewiesen, die über internationale Ex-Gay-Organisationen informiert und deren Arbeit beobachtet und kritisch kommentiert. Auch hier gibt es eine Fülle von Material zum Thema. Ebenso sei auf Beratungsangebote zum Thema Konversionstherapien in- und außerhalb der HuK hingewiesen.

 

Grundsätzliche Texte zum Thema Evangelikaler Fundamentalismus

Links zu Texten im Internet

Grundsätzliche Texte zu evangelikal motivierten Konversionstherapien

Texte zu Studien, die sich mit Konversionstherapien (mehr oder weniger) kritisch auseinandersetzen

Webseiten von (evangelikalen) Organisationen, die sich häufig mit Homosexualität beschäftigen

Links zu konkreten Texten dieser Organisationen

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