Konversionstherapien

Nach wie vor gibt es keine umfassende wissenschaftliche Erkenntnis darüber, wie Homosexualität entsteht und ob die sexuelle Identität in irgendeine Richtung veränderbar ist. Festzustehen scheint, dass sich menschliche Sexualität auf vielfältige, auch graduell fein abgestufte Weise zwischen reiner Homosexualität und reiner Heterosexualität äußern und bewegen kann (von Polysexualität, Asexualität usw. ganz zu schweigen). Und obwohl die American Psychiatric Association 1973 Homosexualität aus der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen und dargelegt hat, dass Homosexuelle nicht krank und daher auch nicht zu therapieren seien, gibt es weiterhin Organisationen, Politiker und (vermeintliche, meist in der Fachwelt umstrittene) Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass Homosexualität eine grundsätzlich krankhafte Persönlichkeitsstörung darstellt und therapierbar, ja sogar therapierbedürftig sei. Auffälligerweise sind sämtliche Bemühungen in diese Richtung durchdrungen von religiösen Ansätzen und Überzeugungen (häufig von evangelikaler Prägung), die zunehmend verschleiert werden. So kommt der Verdacht auf, dass eigentlich religiös-fundamentalistische Ideologien durch eine pseudo-wissenschaftliche Fassade übertüncht oder geadelt werden sollen.

Die HuK erkennt prinzipiell eine große Gefahr in der Verquickung religiöser und psychotherapeutischer Arbeit und plädiert für eine strikte Trennung von christlicher Seelsorge und psychologischer Therapie. Wir gehen davon aus, dass eine tatsächliche vollständige Veränderung der sexuellen Identität eher nicht möglich ist und der Versuch schwere psychische Schäden nach sich ziehen kann. Gleichwohl erkennen wir eine große Sensibilität in diesem Themenkomplex. Wir gestehen es gerade religiös geprägten Menschen zu, unter ihrer Homosexualität u. U. leiden und zur Behebung dieses Leidens professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass das Leiden nicht durch die Veranlagung selbst, sondern durch negative gesellschaftliche Reaktionen darauf ausgelöst wird und eine Therapie daher an dieser Stelle anzusetzen hat.

Gleichzeitig setzen wir uns mit den Argumenten der Befürworter von Konversionstherapien sachlich auseinander, haben den Dialog mit entsprechenden Institutionen wie wuǝstenstrom oder dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) gesucht im Bestreben nach Austausch und Aufeinander-Zugehen. Letztendlich besteht jedoch auf Seiten der Therapie-Befürworter kein Interesse, mit Homosexuellen zu sprechen, die ihrem Bild vom psychisch defizitär entwickelten Homosexuellen widersprechen. So sieht die HuK ihre vornehmliche Aufgabe darin, in diesem Bereich durch fundierte, sachliche Auseinandersetzung mit den so genannten wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie-Konzepte Aufklärung zu betreiben und, vernetzt mit anderen Gruppen wie Zwischenraum, Alternativen zu einer schädigenden Therapie und Wege zu einem Leben aufzuzeigen, in welchem die homosexuelle Veranlagung angenommen und gelebt werden kann, frei von Konflikten zwischen sexueller und religiöser Identität. Außerdem sei auf die Webseite exgay-observer hingewiesen, die über internationale Ex-Gay-Organisationen informiert und deren Arbeit beobachtet und kritisch kommentiert. Auch hier gibt es eine Fülle von Material zum Thema.

In der HuK hat sich Dr. Reinhold Weicker, Paderborn, besonders intensiv mit den pseudo-wissenschaftlichen Argumentationen für Konversionstherapien auseinandergesetzt. Ihm sei für seine gründlichen Texte ausdrücklich gedankt.
Sie finden im Folgenden Texte und Links, die

  1. Grundsätzliche Texte zu Konversionstherapien:

    • Aussagen der American Psychiatric Association (APA) gegen Therapiebarkeit und Therapierbedürftigkeit von Homosexualität.
  2. Texte zu angeblich wissenschaftlichen Studien, welche Konversionstherapien stützen sollen:

  3. Texte zu umstrittenen Organsiationen, Veranstaltungen, Kongressen, Seminaren im Zusammenhang mit Konversionstherapien:

    • Chronologie eines Dialoges der HuK mit der Organisation wuǝstenstrom e.V.:

    • Kongress Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie in Graz 2007:

      • Stellungnahme 1 der Kongressveranstalter vom 21.08.2007 vor Absage der Seminare.
      • Stellungnahme 2 der Kongressveranstalter vom 10.09.2007 nach Absage der Seminare.
    • Umstrittenes Seminar beim Christival in Bremen 2008.

    • Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) in Marburg, Mai 2009:

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