Pressemitteilungen

Wandel auf katholisch

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) zu Papstschreiben über Liebe und Familie

Vordergründig enthält das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia” von Papst Franziskus nichts Neues. „Dennoch hat Franziskus die Weichen dafür gestellt, dass die Kirche in Zukunft weniger zentralistisch und moralistisch auftreten wird”, sagt Michael Brinkschröder vom Projekt „Gleichberechtigung von LSBT in der katholischen Kirche” der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche. Der Papst fordert eine neue kirchliche Seelsorge, die der Logik der Barmherzigkeit folgt, statt den Menschen Kirchengesetze überzustülpen, die für ihre Lebenssituation nicht passen. Diese Logik ist das Herzstück von Amoris Laetitia und muss weitreichende Folgen für das Handeln der Kirche haben.

Das neu bestimmte Verhältnis zwischen der pastoralen Sensibilität und den moralischen Normen der Kirche muss auch beim Umgang mit Schwulen und Lesben berücksichtigt werden. Papst Franziskus fordert die Diözesen dazu auf, Homosexuelle und ihre Familien respektvoll zu begleiten. Nachdrücklich lehnt der Papst Aggression und Gewalt gegen Schwule und Lesben ab und nimmt damit Stellung gegen ein weltweites soziales Übel und gegen die Kriminalisierung von Homosexuellen, die es bis heute in nahezu 80 Ländern gibt.

„Natürlich hätten sich katholische Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen gefreut, wenn der Papst Wertschätzung für ihre Partnerschaften gezeigt hätte – für Liebe, Sorge und Zusammenhalt. Doch dafür ist die katholische Welt noch nicht reif”, stellt Markus Gutfleisch, Sprecher der Arbeitsgruppe, fest. Er findet es enttäuschend, dass Franziskus die Gender-Theorie durch eine dunkle Brille betrachtet.

Der Papst gesteht ein, dass die Kirche in der Vergangenheit die Ehe übertrieben idealisiert hat. Damit schafft er Raum, um jetzt die Vielfalt von Lebens- und Familienformen realistisch wahrzunehmen. Mittelfristig dürfte das die kirchliche Haltung zu Regenbogenfamilien öffnen, auf die das Nachsynodale Schreiben leider nicht eingeht.

Michael Brinkschröder, Projektmanager der HuK, sagt zu dem Papier: „Unmittelbar ändert sich durch Amoris Laetitia für Schwule und Lesben in der Kirche nichts, aber langfristig sind viele Türen offen.” Der Papst traut den Bischöfen und Seelsorgern vor Ort viel zu. Kein Seelsorger darf von oben herab Felsblöcke auf die Menschen werfen (Amoris Laetitia Nr. 305) – ab sofort auch nicht auf Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen. Begleitung für Homosexuelle, das geht nur mit Liebe.

 


 

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