Und GOTT sah, dass es sehr gut war

Katholische LSBT-Menschen aus Europa erzählen ihre Geschichten

Ausgehend von der Lehre des Jesus von Nazareth wollten die frühen Christ_innen sich von anderen Glaubensrichtungen im Punkt der Nächstenliebe unterscheiden. „Seht, wie sie einander lieben”, sollte das Kennzeichen sein. Jesus, der seine Botschaft bevorzugt durch Gleichnisse und Erzählungen vermittelte, betonte: „Das wichtigste Gebot lautet: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!’” Weiteres sollten die von Moses überbrachten Zehn Gebote regeln. All die sehr zahlreichen, dem Judentum eigenen Vorschriften für den Alltag und die Festtage waren untergeordnet.

So wundere ich mich – besonders beim Lesen der in diesem Buch gesammelten Lebensgeschichten – was aus dieser schlichten, herausfordernden Botschaft Jesu geworden ist. Auch heute. Die Lebens- und Glaubenszeugnisse in diesem Buch bewegen mich sehr. Ich bewundere alle Autorinnen und Autoren für ihre Kraft und Stärke, mit der sie trotz Anfeindungen (oft ganz besonders von den Mitgläubigen) zu sich selbst, d. h. ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung, gefunden haben. Und ich bedauere, dass so viel Lebensenergie dafür eingesetzt werden musste! Würde es unserer Welt vielleicht besser gehen, wenn die Lebensenergie statt für Kämpfe dieser Art einfach für ein entgegenkommendes, wohlgesonnenes Miteinander eingesetzt werden könnte?

Die Geschichten sind in sechs Kapitel gegliedert, dadurch kann man sich gut orientieren. Alle Erzählungen sind im Prinzip leicht lesbar, sofern den mit ausreichend Phantasie ausgestatteten Lesenden nicht das Herz blutet. Wichtig: Weinerlichkeiten, Selbstmitleid und Übertreibungen sind vermieden worden. Danke an die beiden Herausgeberinnen und die vielen Übersetzer_innen!

 

Taylor, S. & Barnes, H. (Hrsg.) (2016). Und GOTT sah, dass es sehr gut war – Katholische LSBT-Menschen aus Europa erzählen ihre Geschichten. Esuberanza, Nieuwegein (Niederlande), ISBN 978-90-8883-021-1.

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