Trotz allem – Lesben und Schwule in den Kirchen

Wer als homosexueller Mensch das Leben gemäß seiner Veranlagung gestalten, aber auch ein religiöses Bedürfnis nicht unterdrücken will, sieht sich oftmals von beiden Seiten unverstanden oder gar ausgestoßen. Die Geschichte der Kirchen ist voll von Diskriminierung homosexuell empfindender Männer und Frauen. Papst Benedikt XVI. diktierte bereits als Vorsitzender der Glaubenskongregation seinem Vorgänger Johannes Paul II. die Beurteilung der Homosexualität als „objektiv ungeordnet” und „auf ein sittlich betrachtet schlechtes Verhalten ausgerichtet” und legte so auch für sein eigenes Pontifikat die Richtlinie der Römisch-Katholischen Kirche zum Thema fest. Auf Seiten der EKD ist seit einiger Zeit ein wachsender Einfluss evangelikaler Kreise mit teils fundamentalistischen Ansichten festzustellen, bei denen Lesben und Schwule für allerlei gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht werden.

Auf der anderen Seite steht die „Gay Community”, die gerade das „Gemeinschaftliche” häufig dann beschneidet, wenn man/frau in bestimmten Dingen, z. B. dem Thema Religiosität, von den Normen der Szene abweicht. Warum sich einer Kirche anvertrauen, die Homosexuelle nicht duldet, ihnen ihre Liebesfähigkeit abspricht? Weshalb sich einem Gott verpflichtet fühlen, der sie als Sünder verdammt, mit Todesstrafen belegt? Man muss es mit dem Glauben schon sehr ernst meinen, versucht man trotz allem, beides miteinander zu verbinden.

Das fünftägige Seminar der HuK (Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e. V.) soll (auch heterosexuellen Teilnehmern) zunächst einen Einblick in die konkrete Lebenswirklichkeit homosexueller Christen/innen geben und damit das Bewusstsein für bereits Erreichtes und noch Fehlendes schärfen (Diskussion).

Daran knüpft ein Überblick über die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte an. Anhand von Kurzreferaten sollen Stationen des Kampfes um mehr Rechte und Toleranz erarbeitet werden: Wer waren die Fürsprecher oder Gegner? Mit welchen rechtlichen, gesellschaftspolitischen, sozialethischen, theologischen und psychologischen Argumenten fand und findet die Auseinandersetzung statt (Reader mit möglichen Texten etwa von Hans-Georg Wiedemann, Valeria Hinck, Dr. Joseph Nicolosi, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft, Idea-Spektrum u. a.)?

Eine zentrale Sektion soll diejenigen Bibelstellen, aus denen sich die religiöse Ablehnung von Homosexualität speist, diskutieren und exegetisch in einen gesamtbiblischen Kontext stellen, aber auch solche aufzeigen, die sich nicht expressis verbis um das Thema drehen, aber für homosexuell Empfindende ermutigend sein können.

Schließlich sollen spezifische Gottesdienstformen und andere Glaubensangebote für homosexuelle Christen/innen aufgezeigt werden, wie sie z.B. die HuK oder andere Gruppen initiiert haben. Was unterscheidet diese von denen für heterosexuelle Menschen? Führen sie gar zu mehr Ausgrenzung (Diskussion)?

 

Christa Spilling-Nöker, evangelische Theologin und Schriftstellerin
Frank Wiehler, evangelischer Pfarrer
Franz Kaern, Mitglied des Bundesvorstandes der HuK