Diese Webseite gibt einen Überblick ĂŒber die Möglichkeiten zu Partnerschaftssegnungen oder regulĂ€ren Traugottesdiensten fĂŒr homosexuelle Paare in den verschiedenen evangelischen Landeskirchen. GlĂŒcklicherweise gibt es mittlerweile in den meisten Landeskirchen der EKD entsprechende Richtlinien.

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„Partnerschaftssegnung in den Landeskirchen” von Dennis Wiedemann ist lizenziert unter der CC BY-SA 4.0. Es beruht auf diesem Werk von Svolks.

Anders als oft angenommen, ist „die evangelische Kirche” in Deutschland keine Organisation, die bundesweit gleichförmig strukturiert ist und nur von einer bestimmten Stelle aus geleitet wird. Historisch gewachsen haben die verschiedenen evangelischen Landeskirchen eine starke SelbstĂ€ndigkeit; die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist eine Gemeinschaft von lutherischen, reformierten und unierten Kirchen. So ist die Beschlusslage zur Trauung oder Segnung gleichgeschlechtlich Liebender nicht einheitlich. Die untenstehende Tabelle versucht, eine Übersicht ĂŒber den aktuellen Stand zu geben. Einzelne Landeskirchen haben schneller als andere erkannt, dass ihre homosexuellen Gemeindeglieder – ebenso wie alle anderen – bei diesem wichtigen Punkt ihres Lebens von der Kirche mit FĂŒrbitte und Segen begleitet werden sollen.

Es gibt mehr Pfarrer*innen, die zu einem Segnungsgottesdienst bereit sind, als man oft annimmt. Dies gilt auch in den Kirchen, in denen die Kirchenleitungen solche Segnungen ablehnen oder in denen es keinen offiziellen Beschluss dazu gibt. Allerdings werden sie vor allem in diesen Kirchen Wert darauf legen, dass aus der Feier kein Medien-Ereignis wird, und vielleicht eine diskrete Behandlung (keine Öffentlichkeit ĂŒber die direkt Eingeladenen hinaus) zur Bedingung machen (mĂŒssen).

Wir von der HuK setzen uns weiterhin fĂŒr die völlige Gleichstellung ein, auch fĂŒ die Trauung fĂŒr gleichgeschlechtlich Liebende. Innerhalb der HuK befasst sich die Arbeitsgruppe Evangelische Kirchenpolitik (EvKiPo) an den Diskussionen in den verschiedenen Landeskirchen und versucht, die Kirchen zu diesem Ziel voranzubringen. Nachdem sich die Beschlusslage in den einzelnen Landeskirchen in den letzten Jahren hĂ€ufig geĂ€ndert hat, erwarten wir auch kĂŒnftig neue BeschlĂŒsse zu dem Thema. Wir sind dann fĂŒr eine E-Mail mit den entsprechenden Korrekturen oder Nachrichten zu den einzelnen Landeskirchen an die Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschĂŒtzt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschĂŒtzt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! dankbar.

EKD-Gliedkirche Trauung/Segnung als
Amtshandlung
Kirchliche Segnung Gewissensvorbehalt [21]
Anhalt [1]   ✔ ✔
Baden [2] ✔   ✔
Bayern [3]   ✔ ✔
Berlin-Brandenburg-
schlesische Oberlausitz [4]
✔    
Braunschweig [5]   ✔ ✔
Bremen [6]   ✔ ✔
Hannover [7] ✔   ✔
Hessen-Nassau [8] ✔    
Kurhessen-Waldeck [9] ✔   ✔
Lippische Landeskirche [10] ✔    
Mitteldeutschland [11] ✔   ✔
Norddeutschland [12] ✔    
Oldenburg [13] ✔    
Pfalz [14] ✔    
Reformierte Kirche [15] ✔   ✔
Rheinland [16] ✔   ✔
Sachsen [17]   ✔ ✔
Schaumburg-Lippe [18]   (✔)  
Westfalen [19]   ✔ ✔
WĂŒrttemberg [20]   ✔ ✔

 

  [1]   Immerhin auf der Seite „Heiraten” gibt die Evangelische Landeskirche Anhalts folgende Auskunft: „Können wir uns als homosexuelles Paar kirchlich trauen lassen? – Dies ist nicht möglich. Allerdings können Sie sich vereinzelt als Paar segnen lassen. Sprechen Sie Ihren Pfarrer oder Ihre Pfarrerin an.” Quelle

  [2]   Quelle

  [3]   â€žNeben der ‚Trauung’ von heterosexuellen Paaren und dem ‚Gottesdienst anlĂ€sslich einer Eheschließung’ zwischen einem evangelischem Christen und einem Nicht-Christen wird es kĂŒnftig eine dritte Form geben: Die ‚Segnung’ gleichgeschlechtlicher Paare im Gottesdienst.” (sic) Quelle

  [4]    pdfQuelle56.11 KB

  [5]   In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig gilt ein Beschluss der X. Synode vom 20. bis 22. November 2003. Danach sind Segnungen möglich. Der Kirchenvorstand muss dem aber generell, der Pfarrer oder die Pfarrerin im Einzelfall zustimmen. Quelle

  [6]   Ein Beschluss der Kirchenleitung liegt nicht vor, vielmehr haben die Einzelgemeinden die Entscheidungsfreiheit einen Segnungsgottesdienst durchzufĂŒhren. Quelle

  [7]   Die 25. Landessynode stimmte im Mai 2019 dem Bischofsrat zu, „dass es keine theologisch zwingenden GrĂŒnde gebe, eine prinzipielle Differenz zwischen der Ehe und Trauung von Menschen verschiedenen und gleichen Geschlechts festzuhalten”. Dennoch bleibt der „Gewissensvorbehalt” bestehen: Kein*e Pastor*in ist verpflichtet, die Trauung eines Ehepaares gleichen Geschlechts gegen die eigene Überzeugung zu vollziehen. Quelle

  [8]   Die Herbstsynode 2018 hat beschlossen, die Lebensordnung so anzupassen, dass die Trauung gleich- und verschiedengeschlechtlichen Paaren gleichermaßen offensteht. Auch der Glaubensvorbehalt gegenĂŒber Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare wurde zu Gunsten einer vollstĂ€ndigen Gleichbehandlung abgeschafft.

  [9]   Beschluss der Synode vom 27.04.2018

[10]   Die Synode der Lippischen Landeskirche hat im Juni 2019 mit einer Neufassung der Lebensordnung beschlossen, bezĂŒglich der Traugottesdienste Paare gleichen und unterschiedlichen Geschlechts gleichzustellen. Quelle

[11]   Synodalbeschluss vom November 2012. Quelle. Seitdem hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland eine pdfArbeitshilfe386.65 KB zur gottesdienstlichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren herausgegeben.

[12]   Die 3. Tagung der II. Landessynode stellte im September 2019 fest: „KĂŒnftig soll die ‚Segnung von Paaren in Eingetragenen Partnerschaften’ durch den ‚Gottesdienst anlĂ€sslich einer Eheschließung oder einer Verpartnerung (Traugottesdienst/Trauung)’ ersetzt werden. Der Gottesdienst anlĂ€sslich einer Eheschließung oder einer Verpartnerung (Traugottesdienst/Trauung) findet in öffentlichen Gottesdiensten statt und ist eine Amtshandlung. Er ist ins Kirchenbuch einzutragen, in dem Trauungen und Gottesdienste anlĂ€sslich einer Eheschließung aufgefĂŒhrt werden.” Quelle

[13]   Beschluss der Synode vom 22.11.2018

[14]   Die Synode im Mai 2019 stellte fest, dass gleichgeschlechtliche Paare einen Anspruch auf eine kirchliche Trauung haben. Im Unterschied zur vorher geltenden kirchlichen Regelung sind die zustĂ€ndigen Pfarrer*innen verpflichtet, die Trauung vorzunehmen und können diese – wie die anderen Amtshandlungen Taufe oder Beerdigung – nur ausnahmsweise aus GewissensgrĂŒnden verweigern. Quelle

[15]   Die Herbstsynode 2017 hat einstimmig die Gleichstellung aller „Gottesdienste anlĂ€sslich einer Eheschließung” (Trauungen) beschlossen. Jede Trauung wird ordentlich ins Kirchenbuch eingetragen. Quelle

[16]   Beschluss der Synode am 15. Januar 2016. Quelle

[17]    pdfAmtsblatt395.06 KB der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 20/21 vom 11. November 2016, B46.

[18]   Eine offizielle Beschlusslage ist nicht bekannt; die Kirche will sich des Themas demnĂ€chst annehmen. Quelle

[19]   Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2014 in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden. Analog zur Trauung setzt diese Segnung die öffentlich-rechtliche Eintragung der Lebenspartnerschaft voraus. Die entsprechende Bescheinigung ist der Pfarrerin oder dem Pfarrer vorzulegen. Ein Gottesdienst zur Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares kann ohne jede EinschrĂ€nkung seiner Öffentlichkeit stattfinden. Eine der zu segnenden Personen muss evangelisch sein. Quelle

[20]   â€žIn Zukunft ist in der wĂŒrttembergischen Landeskirche die öffentliche gottesdienstliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren möglich. [
] Die jetzt beschlossene Regelung ermöglicht es bis zu einem Viertel der Kirchengemeinden der Landeskirche, Segnungsgottesdienste fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare in ihre örtliche Gottesdienstordnung aufzunehmen. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass sich Dreiviertel der Pfarrerinnen und Pfarrer einer Kirchengemeinde sowie Dreiviertel des Kirchengemeinderates fĂŒr diese Möglichkeit ausspricht.” Quelle

[21]   Der so genannte „Gewissensvorbehalt” erlaubt EntscheidungstrĂ€ger*innen, eine Segnung/Trauung homosexueller Paare abzulehnen oder an eine andere Gemeinde weiterzuverweisen. FĂŒr heterosexuelle Paare besteht ein solcher Vorbehalt nicht.