Seit 2001 gibt es in Deutschland die Eingetragene Lebenspartnerschaft. Seither sind schwule und lesbische Paare an die katholische Kirche herangetreten, um ihre Partnerschaft segnen zu lassen. Viele Seelsorger und Seelsorgerinnen sind dazu bereit. Sie nehmen ein drĂ€ngendes BedĂŒrfnis von schwulen und lesbischen Paaren auf, die ihre Partnerschaft und ihren Glauben vor Gott und der Gemeinde bezeugen und bekrĂ€ftigen wollen. Aber einen offiziellen Rahmen dafĂŒr gibt es bis heute nicht.

1. Katholische Diskussion 2015−2017 (Lebenspartnerschaft)

Im Zusammenhang mit der Diskussion ĂŒber die Familiensynoden 2014 / 2015 hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gefordert, dass die Kirche liturgische Formen weiterentwickeln soll fĂŒr eine Segnungsfeier gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die Mehrheit der GlĂ€ubigen und sogar manche Diözesen teilen dieses Anliegen, wie die Befragung zur Familiensynode und andere Stellungnahmen katholischer Gremien gezeigt haben.

2. Katholische Diskussion seit 2018 (Ehe fĂŒr alle)

Nach der Öffnung der Ehe fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare hat die Diskussion ĂŒber Partnerschaftssegnungen auch in der katholischen Kirche durch ein Statement des OsnabrĂŒcker Bischofs Franz-Josef Bode an Fahrt aufgenommen.

3. Liturgische AblÀufe von Segnungsfeiern

An dieser Stelle dokumentieren wir katholische Segnungsfeiern fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare. Wir wĂŒrden uns freuen, hier noch mehr AblĂ€ufe zugĂ€nglich machen zu können! (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschĂŒtzt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

 

1. Katholische Diskussion 2015−2017 (Lebenspartnerschaft)

  • Eine sehr frĂŒhe Stimme war die Pastoralkonferenz Basel-Land. Sie hat gegen den Willen des damaligen Bischofs beschlossen, Segnungsfeiern fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare anzubieten und dazu ein Flugblatt veröffentlicht.
  • Eine pdfUmfrage94.8 KB der deutschen Bischöfe unter deutschen Katholiken/innen 2015 brachte folgendes Ergebnis:

„Die meisten Katholiken akzeptieren homosexuelle Beziehungen, wenn die Partner Werte wie Liebe, Treue, gegenseitige Verantwortung und VerlĂ€sslichkeit leben, ohne deshalb homosexuelle Partnerschaften mit der Ehe gleichzusetzen. Es geht um eine WĂŒrdigung bei gleichzeitiger Betonung der Verschiedenheit. Einige Diözesen sprechen sich auch fĂŒr eine – von der Eheschließung unterschiedene – Segnung dieser Partnerschaften aus.“

[Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute. Die Antwort der Deutschen Bischofskonferenz auf die Fragen im Hinblick auf die Rezeption und Vertiefung der Relatio Synodi im Vorbereitungsdokument fĂŒr die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2015]

„Es mĂŒssen BrĂŒcken zwischen der Lehre der Kirche zu Ehe und Familie und der heutigen Lebenswelt der GlĂ€ubigen gebaut werden durch (...)

- eine Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, neuer Partnerschaften Geschiedener und fĂŒr wichtige Weichenstellungen im Familienleben; (...)

- die vorbehaltlose Akzeptanz des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine klare Positionierung gegen noch bestehende Ausgrenzungen und Abwertungen homosexueller Menschen.

[aus: Zwischen Lehre und Lebenswelt BrĂŒcken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute]

„Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuell orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete. Als Bischöfe bitten wir diese Menschen um Verzeihung“

  • Wegweisende Thesen, die fĂŒr die Richtung der theologischen Diskussion prĂ€gend geworden sind, hat der Frankfurter Theologe Georg Trettin am 21.04.2016 veröffentlicht. Sein Ansatz geht vom Segen des geschlossenen Bundes aus und betont den Wunsch nach Versöhnung mit der Kirche, den gleichgeschlechtliche Paare durch ihre Bitte nach einer Segensfeier zum Ausdruck bringen.
  • Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. hat sich in einem Flugblatt positioniert, das anlĂ€sslich des Katholikentags 2016 in Leipzig veröffentlicht wurde.

„Die Kirche von Trier geht respektvoll und wertschätzend mit Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften um. Ein kontinuierlicher Dialog auf allen Ebenen und die Zusammenarbeit mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen und ihren Verbänden sind selbstverständlich zu pflegen. Ein pastorales und liturgisches Angebot für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ist im Dialog mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen zu entwickeln; dieses Angebot richtet sich auch an deren Kinder und das gesamte familiäre Umfeld.

  • Bischof Felix Genn, MĂŒnster, hat die Segnungsfeier fĂŒr ein gleichgeschlechtliches Paar in Wesel verboten, weil er eine Verwechslungsgefahr mit dem Ehesakrament befĂŒrchtet (27.09.2017).
  • Daraufhin hat der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, dessen Forderung, die Partnerschaftssegnung fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare offiziell einzufĂŒhren, noch einmal bekrĂ€ftigt.
  • Auch der Erfurter Katholikenrat forderte einen Segensritus fĂŒr gleichgeschlechtliche Partnerschaften (4.11.2017)
  • Sogar der MĂŒnsteraner Weihbischof Wilhelm Geerlings Ă€ußerte sich positiv zu Segnungen:

„Ich bin nicht fĂŒr die Ehe fĂŒr alle, aber wenn zwei Homosexuelle eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen, wenn sie Verantwortung fĂŒreinander ĂŒbernehmen wollen, dann kann ich diese Verantwortung fĂŒreinander segnen.“ Dies sei „wertvoll und schĂ€tzenswert“, auch wenn die Verbindung nicht voll in Übereinstimmung mit der Kirche stehe. Es gelte, Urteile zu vermeiden, die die Vielgestaltigkeit der verschiedenen Situationen nicht berĂŒcksichtigen.

 

2. Katholische Diskussion seit 2018

  • Der OsnabrĂŒcker Bischof Franz-Josef Bode eröffnete die aktuelle Phase der Debatte ĂŒber die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit einem Interview in der Neuen Osna­brĂŒcker Zeitung vom 10.01.2018:

„Auch wenn sich die Ehe fĂŒr alle eindeutig vom EheverstĂ€ndnis der Kirche unterscheidet, ist sie nun politische RealitĂ€t. Wir mĂŒssen uns daher fragen, wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil auch in der Kirche engagieren. Wie begleiten wir sie pastoral und liturgisch? Wie werden wir ihnen gerecht?”

NOZ: Welche Möglichkeiten sehen Sie? 

„Man muss immer mitbedenken, woher die Kirche kommt. Mancher mag sagen: Was hat denn die Kirche ĂŒberhaupt fĂŒr ein Problem damit? Aber oft wird in der Kirche eine gleichgeschlechtliche Beziehung zuerst als schwere SĂŒnde eingeordnet. Wir mĂŒssen darĂŒber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten. Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden mĂŒssen? Man kann zum Beispiel ĂŒber eine Segnung nachdenken – die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung.”

NOZ: Wurde bei diesem Thema schon genug getan? 

Ich meine, wir mĂŒssen in der Kirche ausfĂŒhrlicher darĂŒber diskutieren. Schweigen und tabuisieren fĂŒhrt nicht weiter und verunsichert.

Dazu haben mehrere katholische Theologen Stellung genommen:

  • Der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann aus Erfurt in einem Interview mit katholisch.de am 13.01.2018

„Theologe: Darum braucht es den Segen fĂŒr Homosexuelle”

  • Der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz schrieb am 18.01.2018 in Christ & Welt

„Die Segnung einer homosexuellen Lebenspartnerschaft bejaht und preist das in ihr erfahrene GlĂŒck und spricht den Partnern die NĂ€he und Treue Gottes zu.”

„Katholische Theologen uneins bei ‘Homo-Segnung’”

  • Ein Konzept, das den Rahmen fĂŒr Segnungsfeiern konkretisiert, legte der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz vor. Dem Konzept, das von der Segnung des geschlossenen Bundes ausgeht, liegt ein zweijĂ€hriger Konsultationsprozess in der Stadtkirche und mit dem Bistum Limburg zugrunde.
  • Kardinal Marx am 03.02.2018 sagt in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk

„Wir mĂŒssen die Situation des Einzelnen, seine Lebensgeschichte, seine Biographie, die BrĂŒche, die er erlebt, die Hoffnungen, die deutlich werden, die Beziehungen, in der er oder sie lebt, ernster nehmen und mĂŒssen stĂ€rker versuchen, Menschen konkret in ihren Lebenssituationen zu begleiten. Und das sind die Punkte, die Sie genannt haben, auch im Hinblick auf Homosexuelle, dass wir hier auch seelsorglich nĂ€her an denen dran sind, die die Seelsorge auch brauchen und die sie auch wĂŒnschen. Und da muss man, glaube ich, auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine, keine Probleme. Eine andere Frage ist, wie das, sagen wir mal, öffentlich liturgisch passiert. Das sind Dinge, da muss man zurĂŒckhalten und auch in guter Weise darĂŒber nachdenken.”

BR: Also, Sie können sich durchaus vorstellen, dass es einen Weg hin zur Segnung fĂŒr homosexuelle Paare gibt in der katholischen Kirche?

„Ja, es gibt ja keine generellen Lösungen. Das halte ich nicht fĂŒr richtig, weil es hier um Seelsorge fĂŒr EinzelfĂ€lle geht und das gilt eben in anderen Bereichen auch, die wir nicht regeln können, wo wir keine Regelung haben. Und deswegen heißt es ja nicht, dass da nichts geschieht. Aber das muss ich doch wirklich dem Seelsorger vor Ort und in der Begleitung der Person vor Ort ĂŒberlassen. Da kann man im GesprĂ€ch, darĂŒber wird ja jetzt auch diskutiert, sich ĂŒberlegen, wie kann ein Seelsorger damit umgehen. Aber das wĂŒrde ich doch sehr stark in diesen seelsorglichen, auf den konkreten Fall bezogenen Bereich belassen und hier nicht Regelungen fordern. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln.”

 

3. Liturgische AblÀufe von Segnungsfeiern